Winchester SX4

Triple-X … der dritte Schuss!

„I’ll be back!“ WINCHESTER stellte auf der IWA 2017 die Version 4.0 ihrer Schnellschussflinte Super X vor. Den gut aussehenden Gasdrucklader haben wir uns für Sie näher angeschaut und getestet, um herauszufinden, was sie gegenüber ihrer Vorgängerin SX3 mehr zu bieten hat.

1974 schoss sich die deutsche Nationalmannschaft im Endspiel gegen die Niederlande in den WM-Fußballhimmel. Die Watergate-Affäre schoss Richard Nixon aus seinem Amt als Präsident der USA und zwei schüchterne, sympathische Pärchen aus Schweden traten aufgeregt unter dem Namen ABBA beim Grand Prix d’Eurovision auf und schossen sich mit ihrem Lied „Waterloo“ weltweit in eine unglaubliche Erfolgsstory.

Ebenfalls 1974 schoss zum ersten Mal bei der Firma Winchester eine neue, halbautomatische Waffe, welche auf den Namen Super X1 hörte. Ein Flinten-Gasdrucklader, noch komplett aus Stahl und Holz. 1988 kam mit der SX2 eine überarbeitete Version heraus, die jetzt leistungsstärker war und viele Teile aus Aluminium und Kunststoff bekam. Erst 2006 wurde sie von der SX3 abgelöst, der die Ingenieure ein verbessertes, selbstregulierendes Active-
Valve-System für die Verbrennungsgase verpassten.

Halbautomaten-Weltmeister im Xtreme Sport Shooting wie Patrick Flanigan oder Rainiero Testa beweisen heute immer noch mit ihren SX, dass die Erfolgsstory der Marke Winchester trotz des Ablebens von Wyatt Earp und Billy the Kid nicht abgerissen ist.

Den Weltrekord hält zur Zeit Rainero Testa mit 13 selbst geworfenen und geschossenen Tauben in 1,6 Sekunden! Und das mit einer SX3 (Youtube: New World record – Raniero Testa 2017).

In diesem Jahr stellte Winchester die SU-PER X4, kurz SX4 vor. Eine Waffe, die von Trickflintenschützen der Weltelite geschossen wird, kann demnach so schlecht nicht sein, dachten wir uns, als wir die neue Winchester SX4 in den Händen hielten. Sie ist damit der aktuelle Repräsentant des Dauerbrenners. Dabei ist sie von den Designern und Ingenieuren nicht nur einem Facelift unterzogen worden. Auch technisch ist der Halbautomat absolut auf neuestem Stand.

Design

Die SX4 hat mit ihren 43 Jahren immer noch eine Topfigur. Was als erstes ins Auge fällt, ist die neue Form des Vorderschaftes. Mit Griffmulden liegt er auch mit klammen Händen im Winter sicher in der Führhand. Vorderschaft und Pistolengriff haben durch eine neue Oberfläche mehr Grip bekommen. Dazu unterstützt der dickere Kammergriff ein verbessertes Handling. Verschlussfang- und Sicherungsknopf wurden ebenfalls größer dimensioniert. Somit sind alle Bedienelemente auch durch Tarnhandschuhe einwandfrei zu ertasten. Ein Sicherheitsplus. Die Sicherung lässt sich bei der neuen SX für Linkshänder umstecken.

Ob die neu gestalteten Öffnungen in der ventilierten Laufschiene ein schnelleres Schwungverhalten ermöglichen, ist wohl eher in den Bereich Waffenesoterik einzuordnen. Gut anzuschauen sind sie auf jeden Fall. Ebenso die schnittige Form des Abzugsbügels. An der Mündung thront nun statt des alten Metallkügelchens ein Passiv-Leuchtkorn aus dem Hause TRUGLO, welches besonders in der Dämmerung auf dem Entenstrich gute Dienste leistete.

Am hinteren Ende ist jetzt eine breitere INFLEX-Schaftkappe angebracht, die den sowieso schon sanften Rückschlag eines Gasdruckladers weiter mindert. Auf dem Systemkasten befinden sich Einbuchtungen für eine Montageschiene, z. B. zur Anbringung eines Reflexvisieres.

Technik

Die Masse des hin- und herschleudernden Verschlusses ist nochmal reduziert worden. Durch das geringere Gewicht erlaubt dieser beschleunigte Schussfolgen. Es erfordert schon einen sehr schnellen Zeigefinger, möchte man die mögliche Frequenz der Schnellschuss-Flinte voll ausreizen.

Trotz des geringeren Gewichtes hat sich die Bandbreite der Patronen, die reibungslos durch den Gasdruck nachgeladen werden, erhöht. Das Patronenlager ist, wie bei einigen Mitbewerberinnen, auf 12/89 aufgebohrt worden, sodass auch Schrotzigarren mit schweren Bleipaketen problemlos verdaut werden. Es ist damit möglich, Ladungen von 24–62 g zu verschießen, ohne dass die Lademechanik irgendein Problem damit hat.

Der Balancepunkt wurde gegenüber dem Vorgängermodell nach vorne geschoben. Dies führt zu einem besseren Schwungverhalten, welches aber nur von guten Vielschützen wahrgenommen wird.

Je nach hauptsächlichem Einsatzgebiet kann man 66, 71, oder 76 cm lange backbored (leicht überbohrte) Läufe bekommen. Die Ladekapazität des Magazins ist auf 2+1 begrenzt. Da, wo es erlaubt ist, lässt sich dieses auf 4+1 erweitern. Raniero Testa schießt mit einer über den Lauf hinaus ragenden Magazinverlängerung der Firma Toni System, sodass die Winchester einen Vorrat von satten 12+1 Patronen schluckt. Wie das Schwungverhalten mit über einem Pfund Blei an Bord dann aussieht, von der Balance ganz zu schweigen, mag sich jeder selbst ausrechnen. Als Farbvarianten hat man die Wahl zwischen dem Modell „Composite“ mit schwarzem Synthetikschaft für 799 Euro, dem Modell „Field“ mit Nussbaumschaft für 839 Euro oder der Tarnversion in Mossy-Oak für 899 Euro.

Beim Testschiessen sowohl auf der Krähenjagd als auch beim Training machte die Super X eine wirklich gute Figur. An Handling, Schussfolge und Schwungverhalten gab es nichts auszusetzen. Nur bei der Leichtgängigkeit der manuellen Schlossbedienung gab es Abzüge. Da fühlen sich hochpreisige Konkurrenten einfach besser an. Für den Zusammenbau aus der Verpackung braucht es ein wenig Fingerspitzengefühl. Baut man dabei aus Versehen Gasdruckringe und -federn ab, sollte man zumindest beim ersten Mal die Bilder des Manuals zur Hand haben. Das serienmäßige Zubehör beschränkt sich auf drei gute Chokes des Typs Invector Plus mit einem sehr einfachen Basic-Wechselschlüssel. Außerdem zwei Plastikscheiben als Schaftverlängerung. Da sind Mitbewerber auf jeden Fall spendabler.

Alles in allem ist der neue Winchester-Gasdrucklader ein sehr solides und verlässliches Werkzeug für Sportschützen und Jäger. Das Halbautomaten-typische, weiche Rückstoßverhalten wird nicht nur komfortbewusste Männer, sondern auch Damenschultern überzeugen. Für dieses mittlere Preissegment bekommt man viel für sein Geld.

 

 

Text und Bilder: Rainer Liese