Workshop

„Selbstladeflinten sind gefährlich“
Wer hat diesen Satz noch nicht gehört? Oder ihn selbst gedacht? Oder gesagt?
Es ist nie zu spät umzudenken …

Blaser F16 für Damen

Es war ein seltener Vormittag, an dem ein Vakuum enstehen wollte. Der Schießstand war gebucht, der Terninkalender geblockt, aber mein Kunde musste unseren Termin verschieben. Den Stand absagen wollte ich nicht. Im Waffenschrank stand seit ein paar Wochen eine Blaser-F16-Damenflinte, die ich schon zu einigen Seminaren mitgenommen, aber noch nicht selbst geschossen hatte. Ein früher, wirklich Lust machender Frühlingstag zog herauf. Sonne, blauer Himmel – ein Tag, wie man ihn sich wünscht. Wohltuende Wärme breitete sich aus. Nach so vielen nasskalten Tagen, die ich in den vergangenen Monaten auf Schießständen verbracht hatte, gab es kein Halten mehr. Hinaus in die Natur!

Die Flinte passt, wenn

In der aktuellen Ausgabe des CPSA-Magazins PULL! stieß ich auf eine Kolumne von Ian Coley mit der Überschrift „GUN FITTING“. Man könnte denken, dass im Mutterland des Flintenschießens das professionelle Anpassen des Schaftes an seinen Besitzer zum guten Ton gehöre und deswegen der weit verbreitete Standardfall sei. Das scheint nicht so zu sein. Denn der Kolumnist beklagt sich darüber, dass GUN FITTING eine „oft vergessene Notwendigkeit“ sei.

Die „Augendominanz“ des Flintenschützen

Unter den Elementen des Flintenschießens gibt es eines, das in besonderem Maße von Mythen, Halbwahrheiten und in die Irre führenden Aussagen umwoben wird. Einem Einsteiger mag der erste Kontakt mit einer Flinte ohnehin wie die Begegnung mit einem großen Geheimnis vorkommen. Aber wenn es um die Augen des Flintenschützen geht und darum, wie sie funktionieren und „was sie mit einem machen“, wird es wirklich mystisch. Den meisten fällt als Antwort nichts anderes ein, als beim Schießen ein Auge zuzukneifen.

„Puhh … der letzte Schuss … jetzt bloß ruhig bleiben und nicht nervös werden. Einfach genauso wie vorhin. Nur noch dieser eine Treffer und ich hab den Sieg in der Tasche … schaffe ich das? Letztes Mal hat es auch nicht geklappt. Die Leute schauen alle und was denken die jetzt, wenn ich wieder vorbeischieße?“ – Wer kennt diese Gedankengänge denn nicht?

"Ohne" wird es offensichtlich

An meine Zeit als angehender Jungjäger kann ich mich bestens erinnern, auch wenn das lange her ist. Ich sollte eine Briefmarke auf einen Spiegel kleben und mit meiner Flinte darauf in Anschlag gehen, jeden Tag und so oft wie möglich, wurde mir von allen Seiten geraten. „Der Anschlag muss sitzen“ – sagte man. Auch heute mögen die Empfehlungen ähnlich lauten, auch wenn die meisten Absolventen eines Jagdkurses bedauerlicherweise keine eigene Flinte mehr besitzen dürfen und dadurch dem Training zu Hause ein Riegel vorgeschoben worden ist. Mehr und mehr bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ein derartiges Fokussieren auf den Anschlag, der ja nur einen Teilbereich des Flintenschießens darstellt, zur Ursache eines programmatischen Fehlers werden kann.

Höher, schneller, weiter?

Wer mit der Flinte schießt, begibt sich auf hochinteressantes Terrain. Man kann sich ein Leben lang mit dem Werkzeug selbst und mit der Lehre seines guten Einsatzes beschäftigen und lernt doch kontinuierlich Neues hinzu. Aber abseits aller Techniken und Methoden hat uns das Flintenschießen so viel mehr zu bieten als man denkt, wenn man eine Flinte zum ersten Mal in die Hände nimmt. 

Es ist von der Faszination des Flintenschießens die Rede, was darauf hinweist: Es muss um deutlich mehr gehen als „nur“ Tontauben zu „zerschießen“. Was ist das Faszinierende am Flintensport?

Ein theoretischer Versuch

Die Einheiten für das Vorhaltemaß auf den Schießständen sind unterschiedlich. „Halte mal zwei Kisten Bier davor!“ Im Grunde weiß jeder, was gemeint ist. Sogar die Weintrinker können sich ein Bild davon machen. Ein weiteres Problem ist, dass wir uns in 30 Meter Entfernung schwer mit der Einschätzung von Abständen tun. Sollen drei Schützen auf 30 Meter die Länge einer Öffnung in einem Tontaubenstand schätzen, kommen sehr unterschiedliche Ergebnisse dabei heraus. Wir wollen mal das Schätzen, die Bierkisten und sonstige Hilfseinheiten weglassen und uns an das Zahlenwerk machen.

Teil 2: Die Organisation

„CPSA zu sein“ ist für viele zuerst eine Geisteshaltung, eine sehr bestimmte Einstellung zum Flintenschießen und zum Umgang miteinander. Die Clay Pigeon Shooting Association (CPSA) ist aber auch eine Organisation, eine Interessenvertretung und ein Ausbildungssystem. Auf jeden Fall verkörpern die Initialen CPSA mehr als nur eine Schießmethode. Was sind die harten Faktoren des nationalen Dachverbandes des Wurfscheibensports in England? 

Drum prüfe, wer sich bindet … 

Die Mutter eines guten Freundes pflegte zu sagen, dass mit dem Preis eines Produktes die Achtung steige. Gemessen an den heute realisierten Verkaufserlösen müsste man schließen, dass dem Produkt „Flinte“ keine große Beachtung geschenkt wird. Jedenfalls nicht die, die sie erhalten müsste, damit der Kunde auch das bekommt, wonach er hätte fragen sollen: nämlich nach dem Handwerkszeug, mit dem er nicht nur erfolgreich, sondern auch mit Lust und Freude schießen kann. Die Durchdringung der Gesellschaft mit Smartphones und Tablets, grenzenlose Kommunikation, Social Media und Onlineshops haben es mit sich gebracht, dass auch Flinten durch ein paar Mausklicks gekauft werden können. Das bedeutet im Endeffekt, dass der Preis zum ausschlaggebenden Kriterium des Handels geworden ist. Eine Beratung findet dann in aller Regel nicht oder kaum statt. Aber auch in den Geschäften der Büchsenmacher und Waffenhändler fragen Kauf-
interessenten oft zuerst und manchmal sogar allein nach dem Preis statt einer Beratung. Diejenigen Händler, die es trotzdem schaffen, eine gute Beratung folgen zu lassen, können nicht sicher sein, ob sie am Ende auch etwas verkaufen können. Das wäre notwendig, um ein Honorar für die Beratung zu erhalten. Selbst in den Fällen, in denen ein Kauf zustande kommt, ist der Preis oft derart gedrückt, dass von einer Honorierung der Beratungsdienstleistung nicht ernsthaft gesprochen werden kann. Was möglicherweise zur Folge hat, dass im nächsten Kundengespräch die Beratung reduziert wird oder ganz unterbleibt. Wer als Verbraucher glaubt, die Tiefpreise seien in seinem Sinne, irrt gewaltig. In diesem Szenario ist eindeutig der Kunde der Verlierer. Denn niemand wird bezweifeln, dass eine Flinte ein beratungsintensives Produkt ist. Die Flinte ist unser zentrales Handwerksgerät. Mit dem können wir nur dann eine gute Leistung erbringen, wenn es das für uns „richtige“ ist. Die Dunkelziffer der Menschen, die das Flintenschießen wegen ihrer Flinte frustriert aufgegeben haben, ist groß. Die Zahl derer, die den Sport oder die Jagd mit der Flinte ausüben, aber höchst unzufrieden sind, mag noch größer sein. All das müsste nicht sein. Man müsste nur ein paar Regeln beherzigen.