Anschlagkontrolle

Anchor Point

Gebben Miles ziert die Verpackung der „Anchor Points“, den wir aus den USA bestellt haben. Das soll schon was heißen, denn wer den ehemaligen Weltmeister für sein Produkt gewinnen kann, meint es ernst. Wir haben uns die Anschlaghilfe angeschaut.

Was ist der Anchor Point
Im ersten Moment könnte man meinen, dass der Anchor Point eine Trinkhilfe ist, die den Schützen mit erfrischenden elek­trolythaltigen Getränken aus einem im Hinterschaft liegenden Reservoir versorgt. Dem ist natürlich nicht so.

Der Anchor Point ist ein Stab aus flexiblem Gummi, der mit einem Klebepad auf dem Schaft aufgeklebt wird. Die Befestigung soll so gewählt werden, dass man bei einem perfekten Anschlag mit den Lippen den Gummistab berührt und so eine Kontrolle hat, ob der Anschlag stimmt. Das Material ist sehr weich und man muss sich keine Sorgen machen, dass man sich beim Rückschlag die Zähne ausschlägt.

Aufbringen des Anchor Points
Die Installation der Gummihilfe ist denkbar einfach. Der Schütze macht ein paar Anschlagübungen und wenn er für sich den perfekten Anschlag herausgefunden hat, verharrt er in der Position. Ein Schützenkollege reinigt nun den Schaft mit dem beiliegenden Tuch und entfettet die Stelle, an der der Anchor Point sitzen soll. Nun entfernt er die Schutzfolie des Klebepads und klebt den Anchor Point so auf den Schaft, dass der Gummistab in Richtung des Schützen zeigt und seine Lippen berührt. Fertig!

Auf dem Schießstand
Auf dem Schießstand schlägt der Schütze an und wenn er den Stab an seinen Lippen spürt, ist dass das Zeichen, dass der Anschlag stimmt.

Wir haben den Anchor Point getestet. In der Theorie funktioniert die Gummihilfe ganz ordentlich, aber in der Praxis kamen dann doch Zweifel auf. Das Anbacken kann der Anchor Point tatsächlich kontrollieren. Somit bekomme ich sofort eine Information, ob der Schaft sauber an der Wange bzw. am Jochbein sitzt. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Selbst wenn der Schaft am Jochbein sitzt, kann ich immer noch einen mangelhaften Sitz in der Schulter haben. Zu hoch oder zu tief in der Schulter führt trotz positivem Feedback vom Anchor Point zu einem Fehlschuss.

Damit könnte man noch leben, aber in der Praxis erweist sich die Gummihilfe als Störfaktor. Alle Schützen haben es als unangenehm eingestuft, dass man auf einmal einen Gumminippel im Mund hat, während man sich auf den Anschlag konzentriert. Sicherlich könnte man sich daran gewöhnen, aber von den Testschützen wäre keiner dazu bereit gewesen, diese Lernkurve durchzustehen. „Das Ding nervt einfach!“ oder „Man denkt, man hat auf einmal eine Fliege im Mund!“ war durchgängig der Tenor.

Fazit
Die Idee ist nicht schlecht. Eine Kontrolle über den Anschlag wäre hilfreich. In der ehemaligen DDR wurde das mit Kontakten an Schaft an Wange und Schaft gemacht. Schlägt man nicht sauber an, gab es einen Warnton oder eine Lampe ging an, so die Überlieferung.

Neben dem Nerv-Effekt kommt noch die mangelhafte Haltbarkeit. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Anchor Point nicht viele Futteraleinheiten übersteht. Nachdem man die Flinte spätestens das zehnmal in das Futteral verpackt und wieder herausgeholt hat, löst sich der Kleber. Somit müsste man die Gummihilfe regelmäßig erneuern, wenn man ernsthaft mit ihr trainieren möchte. Dafür ist der Preis von 19 Dollar dann doch zu hoch.

Aus Sicht der Redaktion ist der Anchor Point keine Bereicherung für den Flintensport. Es kann natürlich sein, dass der ein oder andere Schütze den Anchor Point in sein Herz schließt. Aber wir glauben, dass er sich nicht durchsetzen wird.

Text und Fotos: Dominik Allartz