Sarasota Trap, Skeet & Clays

Seit 1931 Flintensport an der Westküste Floridas

Man(n) könnte es glatt zur Gewohnheit werden lassen: Wenn es in Deutschland langsam kalt, nass und damit ungemütlich wird, in den Flieger setzen und ab in die Sonne! Fort Myers Beach bietet sich bestens für einen Urlaub in den USA an. Direkt am Golf von Mexico gelegen, ist dieser Ort eine der Top-Adressen an der Westküste Floridas. Sonne pur, angenehme Temperaturen in Luft und Wasser und dazu die ­legendären Sonnenuntergänge lohnen die Strapazen der Reise.

Daneben gibt es Museen, in denen faszinierende Musclecars und/oder Oldtimer gezeigt werden oder das beeindruck­ende „Edison & Ford Winter Estates“, die ehemalige Winterresidenz von Thomas A. Edison und Henry Ford. Etwas weiter nördlich in St. Petersburg beherbergt das Salvador Dali-Museum die größte außerhalb Europas befindliche Sammlung von Werken dieses Ausnahmekünstlers.

Dazu Natur pur, wunderschöne Landschaften, vielfältige Sportmöglichkeiten … Und wen wundert es, gibt es natürlich auch Möglichkeiten, dem Flintensport zu frönen! www.sarasotagunclub.com – auf der I-75, nur rd. 80 Meilen nördlich von Fort Myers, ist diese Anlage für uns am günstigsten zu erreichen.

Auf einer Fläche von 140 acres (etwa 56 Hektar), dem Sarasota County gehörend, ist seit 1985 der Sarasota Gun Club mit seinen aktuell ca. 650 Mitgliedern zu ­Hause. Mitgliedern und Gästen stehen drei Trap- und drei Skeet-Stände, dazu ein „Wobbler“ und eine ­Five-Stand-Anlage zur Verfügung. Im Pro-Shop gibt’s reichlich Leihflinten, ­Zubehör, Kleidung und natürlich Munition. Bis hierher nicht ungewöhnlich. Clubmanager Don Webster berichtet aber voller Stolz von den Errungenschaften der letzten ­Wochen. Insgesamt 52 Stände stehen auf vier Sporting Clays Courses zur Verfügung.

Sehr clever gemacht: Ähnlich wie auf der Skipiste eingeteilt in Blau (einfach), Grün (medium), Rot (schwer) und – allerdings zurzeit unseres Besuchs noch nicht er­öffnet – Schwarz (sehr schwer). Etwa
15 Vollzeitkräfte und jede Menge Volunteers sorgen dafür, dass die Maschinen jederzeit bestückt sind und tadellos funktionieren. Auf einem Golf-Cart, so wie wir es schon von anderen Ständen kennen, fährt Randy Buskirk mit uns die gesamte Anlage ab. Die Stände alle überdacht, jede Menge grün, die Maschinen teils hinter Bäumen versteckt, quasi mitten im Wald, offene Flächen wechseln sich mit recht kurzen Schneisen als Schusssektor ab – das verspricht anspruchsvolles Schießen und jede Menge Spaß. Nebenbei berichtet er von den verschiedensten Veranstaltungen im Sarasota Gun Club: Firmenevents auf der blauen Runde und anschließend ein zünftiges BBQ unter dem Dach des extra dafür gebauten Pavillons. Monatliche Wettkämpfe der NSCA, ein- bis zweimal wöchentlich Wettbewerbe nach ATA Big 50 und das sogenannte „Rosebud MacCabe Sub-Gauge Fun Shoot“. Ein Handicap-System über 100 Scheiben, bei dem Sportler, die mit kleineren als Zwölfer-Flinten antreten, einen Bonus erhalten: Kal. 16 + 2 Scheiben, Kal. 20 + 5, Kal. 28 + 10 und bei .410er-Flinten + 15 Scheiben. Selbst Sportler, die mit ­einer Pump Action antreten, bekommen 2 Scheiben extra gutgeschrieben. Und das alles für 40 $ inkl. Lunch!

Don betont, dass in letzter Zeit das Parcoursschießen immer mehr Anhänger findet und deshalb die Erweiterung unbedingt notwendig war. Da kann ich ihm nur zustimmen und beschließe, doch gleich mal die rote Runde zu testen. Randy bemerkt, dass die zur Verfügung stehenden Semi-Autos nicht so ganz mein Ding sind und leiht mir kurzerhand seine private BDF. Topp!

100 Scheiben auf die Chipkarte gebucht, Munition ausgesucht – los geht’s! Auf der Einführungsrunde lernten wir Dennis Bosch kennen, seines Zeichens Certified & Insured Instructor der N.S.C.A. und anderer Verbände. Er betont seine deutschen Vorfahren und freut sich anscheinend ehrlich, einen Besucher aus der alten Welt über den Parcours zu führen. Er lässt es sich auch nicht nehmen, mir die Scheiben vorab zu erklären und natürlich auch für mich zu drücken. Dabei hat er wohl genauso viel Spaß wie ich. Meine Frau nutzt inzwischen die Zeit, um mit der Kamera auf Alligatorenjagd zu gehen oder einfach in der Sonne zu relaxen. Irgendwann wurde Dennis merk­lich unruhig. Er entschuldigte sich vielmals, er hätte doch noch ein Familientreffen, wollte mich aber auch nicht alleine lassen … Wir konnten ihm jedoch klarmachen, dass mir auf den restlichen Ständen meine Frau wie schon so oft in ­bewährter Weise zur Hand gehen würde, brachten ihn mit dem Cart zum Clubhouse zurück, bedankten uns und verabschiedeten ihn sehr herzlich. Wieder ein Beispiel für die von uns so geliebte amerikanische Freundlichkeit! Und wo wir doch jetzt schon mal am Shop waren – schnell noch ein paar Scheiben aufgebucht … Diese grandiose Anlage und das tolle Wetter muss ich einfach nutzen! Doch auch dieses Guthaben war schließlich aufgebraucht und die letzte Schrotpa­trone verschossen. Eigentlich schade. Aber ihr kennt das: Dieses großartige Gefühl, einen schönen Tag und viel Spaß gehabt zu ­haben. Also ab Richtung Süden! Fort Myers Beach wartet mit seinem unvergleichlichen Sonnenuntergang und einem leckeren Sundowner auf uns …

 

Text: Hans-Joachim Raabe / Fotos: privat