Parcours in historischem Ambiente

Viel Spaß im Fort Säpzig (Zabice)

Wenn Geschichtsinteressierte „Festung Küstrin“ hören, denken sie vielleicht zuerst an Hans Herrmann von Katte, den Freund des späteren Königs Friedrich II., der am 6. November 1730 auf Befehl des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. eben dort enthauptet wurde. Und wer jetzt von einem Fort hört, denkt wohl zuerst an den „Wilden Westen“, an Indianerkriege ...

 

Am Zusammenfluss von Oder und Warthe liegt zwischen Schwedt und Frankfurt die Stadt Küstrin, erstmalig 1232 urkundlich erwähnt. Johann von Brandenburg-Küstrin erbte im 16. Jahrhundert u. a. Küstrin und errichtete eine Festung zum Schutz seiner zur Residenz erhobenen Stadt.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte als Abschluss umfangreicher Baumaßnahmen der Bau der vier Außenforts Gorgast, Zorndorf, Säpzig und Tschernow (s. auch Wikipedia).

Während Fort Gorgast im Nordwesten heute als Museum besichtigt werden kann, existieren von den anderen nur noch Ruinen. Und jetzt kommen die Flintenschützen ins Spiel! Fort Säpzig, in der Nähe des polnischen Ortes Zabice, nur 10 km südwestlich von Kostrzyn nad Odra bzw. 20 km nördlich von Frankfurt/Oder gelegen, wird seit 2014 von polnischen Enthusiasten intensiv zum Schießplatz ausgebaut und als solcher genutzt. Nahezu alle Arten des sportlichen und jagdlichen Schießens werden angeboten. Die dicken Mauern ermöglichen die gleichzeitige Nutzung quasi aller verfügbaren Anlagen ohne Gefährdung anderer Schützen. Und alles auf relativ engem Raum. Diese Gegebenheiten nutzen nun auch verstärkt deutsche, vor allem Parcoursschützen. Die umtriebigen Ralph Reindorf vom SV Bad Belzig und Max-Joachim Sladek vom SV 1324 e.V. aus Kleinmachnow waren schon oft zu Besuch in Fort Säpzig und kennen sich bestens aus. Sie waren es auch, die zusammen mit Lubomir Stotko vom Standbetreiber am 10. September  zum Großparcours geladen und ein Layout der Extraklasse erstellt hatten. Leider nur 17 Wettkämpfer (darunter auch zwei Damen) aus Polen und Deutschland nahmen die Einladung an, da zu gleicher Zeit noch ein Flintenwettkampf in Polen stattfand. Die Anmeldung bei Burkhard Klaus ging fix, das Wetter war perfekt, die Stimmung unter den Startern großartig, der Parcours ... anspruchsvoll! 

Zu beschießen waren bis zum Mittag 5 x 25 Scheiben. Neben ganz normalen „Tauben“ flogen Minitauben sehr rasant durch einen verdammt kurzen Schusssektor, rollten „Hasen“ zumindest anfangs relativ langsam einen gegenüberliegenden Hang herunter – allerdings spitz von vorn! Weit entfernte Simultandoubletten als Incomer, ziemlich hinterhältig vom Pendelautomaten geworfen. Scheiben, die sehr dicht am Schützen vorbeiflogen, um dann fallend im Festungsgraben zu verschwinden. Rollhasen auf der gegenüberliegenden Festungsgrabenmauer – wie breit ist dieser verdammte Graben eigentlich?

Zur Mittagspause gab es jedenfalls genug Gesprächsthemen und es wurde eifrig diskutiert. Nach dem Mittag standen dann noch weitere 20 Scheiben ausschließlich als Doubletten auf dem Plan. Auch diese hatten es in sich! Die höchste Ausbeute lag hier bei gerade 15 Treffern.

Sieger dieses äußerst anspruchsvollen Pokalwettkampfes wurde Maik Winnemund mit 116 Treffern vor Heiko Bosse, der 110 Treffer zu verzeichnen hatte. Auf dem dritten Platz lagen gemeinsam Max-Joachim Sladek, Steffen Köditz und Claus Schwenker mit je 107 getroffenen Scheiben. Das fällige Shoot-Off entschied Schwenker schon mit der zweiten Doublette für sich und konnte somit den dritten Pokal in Empfang nehmen.

Dank großzügigen Sponsorings durch Ralph Reindorf und Unterstützung durch dieflinte konnte sich abschließend jeder Teilnehmer über einen ansehnlichen Sachpreis freuen. Und wann gibt’s den nächsten Wettkampf im Fort Zabice?

Text: Hans-Joachim Raabe
Fotos: Hans-Joachim Raabe, Burkhard Klau