Munitionskisten im Test

Boxen in der Schrotklasse

Munitionskisten gibt es reichlich auf dem Markt. Ihre Griffe und Scharniere sollten stabil sein, die Boxen sollten kompakt geformt und trotzdem viel aufnehmen können. Ein Spritzwasserschutz gegen Regen ist schon praktisch bei Outdoor-Aktivitäten wie dem Flintensport oder der Niederwildjagd. Doch nicht alle sind so praktisch, wie sie im ersten Augenblick aussehen. dieflinte hat einen repräsentablen Angebotsdurchschnitt gegeneinander antreten lassen.

 

Nach zwei Runden Trap ist hiermit Schluss: MTM SF-50 Round

Als erstes stieg ein Fliegengewicht unter den Munitionskisten in den Ring, Die
Case-Gard SF-50 sieht eher so aus, als könne man mit ihr das berühmte Hasenbrot für die Jagd eintuppern. Allerdings ist die „Butterbrotdose“ ausschließlich für 50 Einzel-Schrotpatronen mit einem kleinen Fach in der Mitte für Krähen- oder Gänselocker, Chokes etc. konstruiert. Durch den Festeinbau der Raster-
elemente ist ein Transport von 25er-

Papp-Packungen mit ihr leider nicht möglich. Auch als universelle Transporthilfe z. B. für Büchsenmunition taugt sie deshalb nicht. Der Deckel, der staub- und regendicht ist, hat außen Hülsenhalter, in die man fünf Schrotpatronen griffbereit einklemmen kann, ohne dass man ständig das Köfferchen hinterm Tarnschirm öffnen musste. Die Klemmen sind leider sehr stramm. Ist der Behälter annähernd leer geschossen, hebt man eher den ganzen Koffer an, ehe sich die Patrone aus der Halterung löst.

Ein umklappbarer Griff macht den Kasten stapelbar und eine strukturierte Oberfläche verringert Lichtreflektionen. Was hier allerdings nicht gefiel, war der Klappmechanismus. Die SF-50 verfügt leider nicht über ein Stahldraht-Scharnier. Ober- und Unterschale, Gelenk und Verschluss bestehen aus einem kompletten Kunststoff-Gussteil, bei dem das Scharnier nur aus einem dünnen, angegossenen Verbindungssteg besteht. Durch häufiges Benutzen neigen solche Scharniere dazu, irgendwann abzubrechen und zwingen zum Neukauf oder zu einer Sisyphosreparatur. Außerdem bleibt der Deckel dadurch nicht offen stehen, sondern fällt immer in seine fast geschlossene Ausgangsposition zurück. Das nervt bei der Jagd oder auf dem Schießstand schon, wenn man aufgrund der Flinte nur eine Hand frei hat. Der Griff ist so klein, dass man mit großen Händen oder Winterhandschuhen (oder beidem) nicht mehr durchgreifen kann. Die Box ist nicht für ein Vorhängeschloss vorbereitet. Mit 30 x 14 x 10 cm war sie die kleinste, aber mit 20,50 € nicht die günstigste unter unseren Testkandidaten. 50 Patronen schütten sich manche Schützen auch einfach in ihre Schießwestentaschen. Da braucht es keine Kiste. 

 

Die kleine, grüne für den kurzen Zwischenstopp auf dem Nachhauseweg: PLANO 100

Weitaus praktischer kommt da die PLANO-100-Box daher, die zweite Starterin in der „Kompaktklasse“. Sie bietet Platz für vier Schachteln oder 100 Schrotpatronen im Kaliber 12 und ist im Inneren leer und damit universell einsetzbar. Die Box verfügt über einen soliden Stahlbügelklappverschluss und einem Stahlkernscharnier, das sich, wie bei Bundeswehrmunitionskisten, an der schmalen Seite befindet. Der Deckel bleibt damit, wenn er einmal geöffnet ist, auch geöffnet. Sie hat eine jagdtaugliche, matt-dunkelgrüne Oberfläche, einen ergonomisch angenehmen, großen Griff, der sich auch zum besseren Stapeln versenken lässt. Positiv fielen hier die Stapelfüße auf, deren Negativform sich auf dem Deckel wiederbefinden. Damit lassen sich mehrere PLANOs rutschsicher übereinander stapeln, selbst wenn sie eine Vollbremsung im Auto eher nicht verdauen. Eine Gummidichtung sorgt hier für guten Spritzwasserschutz. Eine Lochöffnung lässt die Anbringung eines Vorhängeschlosses zu. Alles in allem eine sehr gute Box für den kleinen Krähenansitz oder den Kurzbesuch auf dem Schießstand.
Mit 36 x 15 x 15 cm ist sie nur unbedeutend größer als das Pendant von MTM und mit 12,95 € beinahe halb so teuer, aber wesentlich praktischer.

 

 

 



Die Kompakte für Arnies:

TOPSHOT COMPETITION BOX

Kommen wir zur „Box-Mittelgewichtsklasse“. Hier trat ein Behälter der Firma TOPSHOT gegen zwei Konkurrenten aus dem Hause MTM an.

Die TOPSHOT COMPETITION weicht farblich sofort von den anderen ab. Sie kommt komplett in Schwarz daher und trägt einen leuchtgelben Griff sowie Verschlusslaschen in derselben Farbe. Laut Hersteller kann sie mit unglaublichen 30 Kilo Material bepackt werden. Trotzdem „boxt“ sie damit nicht in der Schwergewichtsklasse. Grund dafür ist ihre Größe: Da eine Schachtel Schrotpatronen nur knapp ein Kilo wiegt und in die Box nur sieben Schachtel passen, dürfte nach einer grob geschätzten Dreisatzrechnung die Frage der Maximalbelastung geklärt sein. Und selbst über Patronen als Schüttgut kann sie nur müde lächeln. Oder anders erklärt, könnte man die Box mit ihren Innenvolumen auch problemlos ungefähr zur Hälfte komplett mit Blei ausgießen, ohne sie zu überladen.

Sie hat ebenfalls Male-female-Applikationen an Boden und Deckel, um sie mit baugleichen Boxen rutschsicher zu stapeln. Der Kunststoff fühlt sich äußerst robust an. Sie lässt sich mit gleich zwei Vorhängeschlössern sichern. Der Deckel presst sich beim Schließen mit einer Gummidichtung auf das Unterteil, sodass auch im Regen die Patronen trocken bleiben. Ein großes Manko war bei unserem Exemplar die äußerst stramm sitzendenden Verschlüsse. Wenn dies auch wahrscheinlich der Deckeldichtigkeit gezollt ist, werden zarte Frauenhände ihre Schwierigkeiten haben, die Klicklaschen sowohl zu öffnen als auch zu schließen. Mit fünf Schachteln Patronen begleitet sie Durchschnittsschützen zum Schießtraining. Der annehmbare Preis von 19,95 € tut das Seinige dazu.

 

 

 

Die Einfache: MTM SF-100 

Beim MTM SF-100 ist die Familienähnlichkeit zum kleinen Bruder ST-50 unübersehbar. Auch bei dieser Box sind Ober- und Unterschale aus einem Guss gefertigt und damit lediglich durch einen dünnen Streifen Kunststoff als Scharnier miteinander verbunden. Die Inneneinrichtung wartet mit zwei Tabletts Patronenhalter auf, die insgesamt 100 Einzelpatronen aufnehmen. Damit ist die Kapazität aber auch erschöpft. Es ist nirgends noch Stauraum für Kleinkram gelassen worden. Nimmt man die Tabletts heraus, stören Auflageschienen das platzsparende Packen mit anderen Dingen. So geht im leeren Zustand viel Platz verloren und man kann damit auch nur sechs Patronenschachteln im Innenraum verstauen. Der Tragegriff ist mit zwei sehr kleinen Nieten und einer Mini-Unterlegscheibe sehr verschleißfreudig montiert und von der Ergonomie her spartanisch. Von außen lassen sich auch hier fünf Patronen griffbereit für die Flugwildjagd oder Wettkampf aufstecken, obwohl man damit eigentlich nicht weit kommt. Ein Dichtungsgummi im Deckel fehlt hier. Der Verschlussriegel ist klein und scheint nicht auf eine lange Lebensdauer ausgelegt zu sein. Unser Fazit: mit rund 49 € zu teuer, zu unpraktisch, nicht universell einsetzbar. Sie ging bei uns in der ersten Runde zu Boden. Fazit: Nichts für den harten Flinteneinsatz.

 

 

 

 

Gute Jägerbox mit klobigem Klapperregal MTM Wild CAMO Shotgun Hunter Case

Für ca. 10 € mehr als die SF-100 präsentiert MTM die „Shotgun Hunter Case“ und beweist damit, dass sie auch „solide“ kann. Der Aufpreis für diese Kiste lohnt sich auf jeden Fall, wartet sie doch mit einer weit komfortableren Ausrüstung auf. Zum Lieferumfang gehören hier vier Kästchen mit Patronenrastern, in die jeweils 25 Schuss mit der Bodenkappe nach oben griffbereit Platz finden. Wir lernten diese Halterungen bei der sitzenden Krähenjagd zu schätzen, erleichtern sie doch das blinde Zugreifen und Nachladen der Flinte enorm. Leer fasst die Kiste sogar acht Schachteln oder 200 Schuss Munition.

Weiterhin gehört zur Ausstattung eine Art Gürtelregal für die beiliegenden Patronenkästchen oder wahlweise komplette Schachteln. Damit könnte man sich – theoretisch – 25 Shotshells griffbereit an den Hosenbund hängen. Leider arretieren die Dosen/Schachteln nicht auf dem Halter. Auch die Patronen selbst befinden sich frei beweglich in ihrem kleinen Regal. Hastige Bewegungen, schnelles Laufen oder Bücken zum Boden verbieten sich, wenn diese Schaukelkonstruktion an der Hose baumelt. Damit ist also Catwalk angesagt, was vielleicht manchem Schützen eigentlich ganz gut stehen würde. Was so etwas bei der Jagd suchen soll, bleibt rätselhaft. Dieses Accessoire rief in unserer Redaktion lediglich Stirnrunzeln hervor. Was das stehende Schießen angeht, ist da ein „Old-School“-Patronengürtel oder die gute, alte Schiessweste mit Sicherheit praktischer.

Im Deckel der Jägerkiste befinden sich noch zwei Fächer, in die Locker, Chokes, Ohrstöpsel oder anderer Kleinkram passen.

Was hier auf dem Weg zum Tarnstand oder auf der Schießanlage unbezahlbar war: Der mitgelieferte Schultergurt, den die Hersteller bei allen anderen Kisten weggelassen haben. Mit ihm ist ein komfortables, Hände-freies Tragen möglich. Sie lässt sich mit Vorhängeschlössern verriegeln. Griff und Verschluss machten einen haltbaren Eindruck. Ca. 59 € im Fachhandel.

 

Die Praktische: MTM AMMO-CAN

Die letzte, einhändig zu tragende Kiste in unserem Box-Kampf war die AMMO-CAN von MTM. Sie steht mit ihren Maßen und der Ausstattung in direkter Konkurrenz zur TOPSHOT. Allerdings toppte sie die TOPSHOT durch die Aufnahme von zwölf Schachteln Schrotpatronen im Kaliber 12. Die Verarbeitung ist bei diesem Behälter sehr gut. Sie verträgt laut Hersteller 15 kg Beladung. Ein langlebiges Scharnier ist auf der einen Kurzseite vorhanden, während auf der andern gleich zwei Klappriegel das Kästchen verschließen. Der Griff ist groß und liegt angenehm in der Hand. Die Kiste ist voluminös genug, um acht Schachteln Schrot plus Kapselgehörschutz, Brille, Portemonnaie, Handschuhe und Basecap aufzunehmen. Die Box ist multifunktional und für uns Sieger in der Mittelgewichtsklasse. Hätte MTM ihr noch einen Schultergurt spendiert, wäre sie die perfekte Kiste mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie kostet um die 30 €.

 

 

 

 

 

 

Die Packesel: MTM AMMO CRATE

Als letztes stiegen noch zwei Kisten in den Ring, deren Funktion sich von den Übrigen unterscheidet und die deshalb ohne Konkurrenz antraten. Die AMMO CRATES von MTM sind durch zwei stabile Transportgriffe à la Wäschekorb für den Spaziergang über den Schießplatz untauglich.

Bei ihnen handelt es sich um reine Aufbewahrungsbehälter. Sie konnten aber durch ihr großes Fassungsvermögen punkten und haben damit ein ganz anderes Einsatzgebiet. Die wirklichen Vielschießer im Trainings- oder Turnierbetrieb, die nicht mit der Schwerlast umherlaufen möchten, können zu Hause mit diesen Kisten schnell ihr Auto beladen, um damit vor Ort z. B. eine PLANO Box immer wieder aufzufüllen. So passen in die große AMMO CRATE unglaubliche 20 Schachteln Patronen, die dann aber auch mit über 20 kg in der Schwergewicht klasse kämpfen.

Die kleinere AMMO CRATE nimmt immerhin zehn Packungen auf und ist damit ein wasserdichter Ersatz für die Original-Pappkartons, in denen man seine Schrotpatronen im Handel kauft. Der Vorteil liegt darin, dass die Finger in den ergonomischen Griffen ermüdungsfrei Platz finden und nicht ständig drohen abzurutschen, wie das bei Pappkartons der Fall ist. Beide Kisten sind aus schlagfestem Kunststoff, dichten mit einer Gummidichtung das Innere sehr gut ab und lassen sich hervorragend stapeln.

Die AMMO CRATEs waren übrigens die einzigen Kisten in unserem Test, bei denen sich der Innenarchitekt bei den Innenmaßen an die weltweit identische Größe der Päckchen von 12er-Munition gehalten hatte. Mit Ausnahme der AMMO CAN, bei der wenigstens Länge und Breite an Munitionsschachteln angepasst war, waren die gewählten Dimensionen der übrigen Schrotkisten nicht nachzuvollziehen. Die AMMO CRATEs machten einen soliden Eindruck und sind mit 24,95 € bzw. 29,95 € nicht überteuert. Auch die AMMO CRATE haben Löcher für ein Schloss.

Fazit: Für den Krähenjäger war die SHOTGUN HUNTER CASE unser Favorit, die allerdings auch auf dem Schießstand eine gute Figur machte und noch Extrafächer für Kleinkram bot. Der Schultergurt war eine echte Innovation, von der sich die anderen Boxen was abschauen könnten. Fürs Training lagen, je nach individuellem Vorhaben, die PLANO 100 (100 Schuss), und die MTM AMMO CAN (bis zu 300 Schuss) klar vorne.

Text und Bilder: Rainer Liese