Granite Open Elbert County Sporting Clays Shooting

Samstag, 12. Mai 2018, USA, nördliches Georgia. 5 Uhr, das morgendliche Gezwitscher der Vögel in den Bäumen am Hotel (Downtown Athens mitten in der Stadt) macht ein nochmaliges Einschlafen unmöglich. Nach einigem Hin- und Herwälzen schalte ich den Fernseher an, aber es läuft schon wieder NFL draft 2018. Dann gehe ich doch lieber frühstücken. Also 6:30 Uhr Frühstück und um 8:30 Uhr Turnierstart, vorher noch duschen. Ich beeile mich, finde aber die kleine Hotellobby leer vor. Heute ist Samstag, das heißt, Frühstück gibt es erst ab 7 Uhr, aber immerhin bekomme ich einen Kaffee.

Ich fahre 45 Minuten über leere Highways, schalte den Tempomaten ein und lasse den Wagen mit 60 rollen. Um 7:30 Uhr fahre ich am Green Course vorbei, an den Pistol Ranges und den Rifle Ranges. Am Clubhaus ist noch niemand. Kurz darauf kommen der Course Designer sowie ein Mädchen mit ihrem kleinen Bruder. Wir reden ein wenig, bis um 8:20 die ersten Schützen eintrudeln. Danach kommt Larry, der hier Helfer und der spendabelste und netteste ältere Herr ist, den ich je getroffen habe. Er sagte, er müsse erst eben einen Kaffee trinken und dann den Green Course auffüllen, den man seit gestern 16 Uhr leergeschossen habe, weil der Red Course ja zwecks Turnier geschlossen war. Seine Guerini Summit habe er im Auto. Und 15 Pakete Munition. Ich hatte einen Karton T1 gekauft, weil ich ahnte, Larry würde mir seine sauer verdienten Patronen anbieten. Schon letztes Mal hatte er 150 20er für mich geopfert und mich auf alle Tauben eingeladen. Der Mann ist echt unglaublich großzügig.

Ich werde nun in die Obhut meiner Rotte gegeben. Drei Freunde, Ron, Doug und Kyle, jeweils um die 65 bis 70 Jahre alt und wirklich gut drauf. Ich werde in den Pick-up eingeladen, denn es solle heiß werden und laufen wäre nicht so gut.

Danke schön dafür! Viele fahren hier mit ihren auf Anhängern mitgebrachten Mulen oder in gigantischen Pick-ups.

Die Jungs üben noch eine 30er-Runde die US-Compak-Variante. Das hätte ich, statt zu passen, auch machen sollen. Larry ist 1,60 m und seine Knifte daher ein wenig kurz.

Stand 1 hat drei Doubletten auf Schuss, einen Looper hoch und einen Crosser tief, beides 40 m weg. Ich bin Zweiter und lasse gleich mal zwei weg. Das ist nicht gut. Stand 2: viermal Doubletten – Battue rechts weit und Looper rechts weit, 35 m mindestens (!). Ich treffe 50 % – meine Güte, das wird ein Desaster. Stand 3: ein flacher schneller Looper links und ein Trap nach vorn und schnell steigend, dreimal Doubletten. Was wäre denn mal mit einer Einzeltaube? Waterloo – ich komme – satte null Treffer. Gleich platzt mir der Kragen, ich schieße meilenweit vorbei.

Stand 4: flach links Looper rechts flach – beides so 15 m, Pannenkoeken sagt der Niederländer dazu, glaube ich. Auch hier schaffe ich Konzentrationsallergiker, eine vorbeizuschießen. Der Score ist somit schon mal hin. Bleibt noch, ein bisschen Spaß zu haben...

Jetzt dämmert mir aber, dass es alles (!) Doubletten sind! Denn nun zwei hohe, schräg auf uns zukommende über Kopf, dreimal simultan. „full buck“ ... Anerkennung der Ältesten und ich bin schon nicht mal mehr sooo sauer. Wobei … eigentlich doch! Diese eigene Unfähigkeit nervt mich total. Es geht auf den höchsten Punkt des Layouts. Und es kommen simultan Teal, dann viermal zwei Unterflur-Trap: full buck und die letzte Doublette, weil ja quasi schon auf der scorecard ... – vorbei! Mal wieder hat der dicke Onkel vorbeigeschossen. Meine Güte, das nervt richtig!

Mittlerweile sind es schmucke 95° Fahrenheit heiß und mir läuft der Schweiß aus allen Poren. Ich fühle mich wie nach zwei Stunden heißem Whirlpool bzw. wie gegrillt. Big Dig sagte mal, man müsse viel mehr trinken, als man schwitzen könne. O. k. – aber 15 l Wasser sind gerade nicht greifbar.

Nun geht es in die tiefsten Punkte des Layouts: Crosser hoch und eine davon Mini, dann Battue, Trap-ähnlich steigend und schnell. Von dort in die Steinbruchbecken: eine links 10 m – plumps! – ins Wasser. Eine langsamere rechts, die den Rücken zeigt. Aber – auch ins Wasser! „Easy! Ein Kinderspiel“, schreit mein überhebliches inneres Ich, und aus sechs super easy Pannenkoeken werden drei Fehler! Dazu läuft mir das Wasser am Körper runter, um in den Hosenbeinen zu trocken – binnen 20 Sekunden. Ich muss echt was trinken. Meine sechste Halbliter-Wasserflasche mit Kohlensäure ist leer. Die angenehme Kälte ist aber in kürzester Zeit wieder weg.

Die Steinbruchbecken sind ein tolles Erlebnis. Viele Scheiben fliegen von weiter weg und landen unterflur im Wasser. Zwei „full buck“ retten nur eine 68 und lassen mich ob der vergebenen Elfmeter ohne Torwart ein bisschen zerknirscht den anderen super netten Rottenmitgliedern zusehen.

Meine Herren, vielen Dank. Es war mir ein Vergnügen, Ihnen zeigen zu dürfen, wie man elegant, aber nutzlos vorbeisemmeln kann. 75 % waren sicher machbar. Aber meine Überheblichkeit und mein Unvermögen haben dies verhindert. Ab ins Clubhaus und etwas essen – Fried Chicken mit Coleslaw und Kartoffelsalat. Dazu fünfmal Sweet Tea auf Eis. Langsam kommen die Lebensgeister zurück. Merke: Ohne Frühstück geht nichts bei mir. Und besser mehr zu trinken mitnehmen. Eine Kühlbox im Auto – das wär’s!

Der dicke Deutsche mit dem fanzy Shirt ist in jedermanns Munde. Aber leider nicht wegen meiner guten Stände. Gern erzähle ich gefühlt 20 Mal, wo ich herkomme, wie ich hier hinkomme und dass ich ein kleiner Verrückter bin, der einen Sporting-clays-Fetisch hat. Larry hatte ich nur kurz gesehen. Er fragt, ob ich noch Lust hätte, ein wenig zu flacken. Er habe ja noch so viel Munition und wäre in 30 Minuten (noch eben einen Happen essen und zwei Stände auffüllen) noch mal verfügbar. OK, na, beeil dich mal und bummel nicht. Wir fahren zum Green Course. Alles upfront und trotz Doubletten, aber eher vertrauensbildend, nichts wirklich Schwieriges. Ich lasse nur sieben fliegen, und schon wieder 75 Tauben von Larrys Karte nur für mich.

Er müsste noch eben einen Schluck trinken, dann aber könnte man ja nochmal den Red Course testen, das Turnier wäre ja durch. Wieder darf ich keine Karte mit Tauben kaufen. Es ist mir wirklich unangenehm, es wird jedoch kein Widerspruch geduldet. Aber mangels 28er- würde er nun gern die 12er-Guerini mit mir teilen. Langsam habe ich mich an sie gewöhnen können. Also gut!

An Stand 1 und 2 nur ein Fehler. Stand 3 diesmal 50 %, das ist besser als am Vormittag. Ich bin gut drauf und wir schießen Doubletten. Fast nur true pair (simultan). Und wenn getroffen, auch anders herum noch mal. Nochmals knappe 80 Tauben.

Inzwischen ist es 16 Uhr und ab geht es ins klimatisierte Clubhaus. Wir trinken noch einen Tee, erzählen über Waffen und Gesetze sowie über die Jagd. Ich bitte Larry, mir doch zu sagen, wie ich ihm einen Gefallen tun könne, ob ich ihm einen Karton Munition geben dürfe? Von der Sorte, die er am liebsten selber lädt. Doch er betont ca. zehnmal, dass es ihm eine Freude sei, wenn er mit komplett Verrückten so viel Spaß haben dürfe und wenn es mir gefallen habe, sei das genug Dank. Einfach irre der Typ!

Ermattet schreibe ich nach der Rückkehr ins Hotelzimmer und nach der ausgiebigen Dusche diese Zeilen, voller Dankbarkeit, solch nette Menschen getroffen zu haben und in fantastischer Landschaft ein Turnier und viel mehr schießen zu dürfen.

Pull und Peng
Nach einem Bericht von Klaus Plänker