Fabbrica Armi Isidoro Rizzini – Zu Besuch in Brescia

Im Zentrum der italienischen Waffenherstellung

(hjr) Seit etwa 800 Jahren kennt man in Italien die Namen Tanfoglio, Sabatti, Zoli und … Rizzini. Und seit dieser Zeit ist die Gegend um Brescia für Italien das, was Suhl in Deutschland und Ferlach in Österreich ist: DAS historische Zentrum der Waffenherstellung.

Wurde Suhl durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges geschwächt, indem viele Firmen den Thüringer Wald Richtung Süden und Westen verließen, blieb Brescia von jeher das Zentrum. Alles (bis auf ganz wenige Ausnahmen), was in der Branche Rang und Namen hat, ist auf den rund 55 km des Gardone Val Trompia angesiedelt. Selbst das staatliche Beschussamt (Proof House) hat hier praktischerweise seinen Sitz.

Und wir hatten nun die Gelegenheit, auf Einladung von Firmenchef Luca Rizzini der Firma F.A.I.R., einem Schwergewicht der Branche, einen Besuch abzustatten. Anno 1971 gründete Isidoro Rizzini, der Vater des heutigen Chefs das Unternehmen. Ganze zwei Mitarbeiter standen ihm anfangs zur Seite. Alles Geschichte. Heute arbeiten rund 40 Mitarbeiter/-innen bei F.A.I.R. und sorgen dafür, dass auf drei Etagen Waffen konstruiert, gebaut und auch verkauft werden. Luca berichtet stolz, dass in 2016 ca. 20.000 Waffen und ca. 4.000 Waffenteile (v. a. Baskülen) gefertigt wurden. In ganz Italien soll die Jahresproduktion lt. Luca Rizzini etwa 100.000 Flinten betragen haben.

Das Hauptaugenmerk liegt bei F.A.I.R. auf der Bockdoppelflinte, bei der man sich inzwischen zum zweitgrößten Hersteller Italiens aufgeschwungen hat. Bei den edlen Side-By-Side ist F.A.I.R. sogar Marktführer. Hauptabnehmer außerhalb Italiens ist Frankreich. Dorthin werden p. a. etwa 4.000 Waffen, darunter allein 1.000 Doppelbüchsen, geliefert.

Marketingchefin Moira Facchini lässt es sich nicht nehmen, uns durch die kompletten Anlagen zu führen. Überall modernste Technik. Hightech-Fräsmaschinen sorgen für totale Präzision auf allen Ebenen, ohne dass das Werkstück umgespannt werden muss. So wird in einem Arbeitsgang aus einem Stück Metall ein komplettes Verschlussstück. Das sorgt dafür, dass sich nahezu alle Teile untereinander kombinieren lassen. Später auf dem Schießstand werden wir uns davon überzeugen können. Dorthin ging es schließlich nach einem äußerst leckeren Mittagessen.

Der Schießstand Valle Duppo befindet sich am Ende des Tals und ist etwas schwierig zu erreichen. Aber das ist für Flintenschützen ja nichts Neues. Der obere Schießstand ist für uns reserviert und es erwarten uns dort alle möglichen Flinten. Neben DF in 20/76 stehen 12er- oder auch .410er-BDF in fast allen erdenklichen Ausführungen zur Verfügung. Alles für Sport und Jagd. Und es klappt tatsächlich: Ich würde ja gerne diese Flinte dort, aber mit Linksschaft und lieber mit diesem Vorderschaft probieren. Kein Problem! Ruckzuck halte ich meine Wunschflinte in den Händen. Passt. Wir beschießen einen kleinen Compak und irgendwie kann mir mit dieser Flinte keine Scheibe entkommen. Ich bin begeistert.

Wir haben den ganzen Nachmittag Zeit und können nacheinander testen und probieren. Stelle dabei fest, dass man(n) mit der 20/76 genauso treffen kann, bleibe aber trotzdem lieber bei meiner 12er. Luca favorisiert eine (seine?) schicke BDF in .410 und trifft und trifft ... Ich versuche es ebenso und komme überhaupt nicht zurecht. Versuche es jetzt mal mit einer „Racing“, die schon allein durch ihre 14-mm-Schiene auffällt. Dazu kommt ein rotes Doppelkorn. Ob das funktionieren kann? Es kann! Als hätte ich nie eine andere Flinte in der Hand gehalten. So macht Schießen Spaß!

Alle Flinten machen einen sehr soliden, qualitativ hochwertigen Eindruck. Umso mehr erstaunen jedoch die empfohlenen Verkaufspreise, die vom Importeur RUAG Ammotec GmbH aufgerufen werden, der inzwischen neun verschiedene Flinten fest im Angebot hat. Das Gros der Waffen wird zwischen 1.500 und 2.000 Euro angeboten, einfachere jagdliche Varianten bereits für knapp über 1.100 Euro. Auch Extrawünsche werden von F.A.I.R. auf Anfrage realisiert. Luca Rizzini bat jedoch um Verständnis, da man dafür etwas Geduld haben müsse.

Während wir uns einem wieder sehr leckeren Abendessen im angrenzenden Restaurant widmen, kommen immer mehr Schützen/-innen auf die Anlage. Valle Duppo verfügt schließlich über eine leistungsstarke Flutlichtanlage. Und als wir gegen 22 Uhr unsere Zelte abbrechen, wird auf beiden Ständen noch munter geschossen. Auf die Frage, wie lange man denn hier schießen könne, ernten wir nur ein Schulterzucken ...

 

Text und Fotos:
Hans-Joachim Raabe