Beretta 692 XTrap

Werkzeug für Trap(p)er

Mit der 692 hat Beretta vor einigen Jahren das Segment im Bereich Sportflinten um eine interessante Waffe erweitert. Mit einem guten Mix aus Qualität und Funktion spielt die 692 im mittleren Preissegment seitdem eine wichtige Rolle. Wer für knapp 4.000 Euro eine ordentliche Sportflinte haben möchte, kommt bei seiner Shoppingtour nicht an der 692 vorbei. Nun hat Beretta die Palette der 692 mit der „XTrap AS“ erweitert. Wir haben uns das Sportgerät angeschaut.

Erster Eindruck

Die XTrap AS kommt mit der hohen Laufschiene erst mal sehr massiv daher. Der Schaft ist um einiges kompakter als bei der 692 Sporting und verleiht der Flinte das wuchtige Aussehen. Das Gewicht beträgt 3,8 kg. Die hohe Schiene tut dann noch ihren Teil dazu. Man merkt schnell, dass man es mit einer reinen Trap-Flinte zu tun hat und kommt gar nicht auf die Idee, die Flinte für eine andere Disziplin wie etwa Sporting einzusetzen. Viele werden jetzt den Kopf schütteln, aber der Einzug der hohen Schienen im Parcours-Sport hält immer noch an. Somit ist die hohe Schiene längst nicht mehr nur dem Trap vorbehalten.

Die Ausstattung

Das Auffälligste der XTrap AS ist die hohe Schiene, die nicht fest montiert ist. Beretta bietet zwei Verstellmöglichkeiten. Jeweils an den Aufnahmepunkten kann man die Schiene für den Schützen anpassen. An dem vorderen Aufnahmepunkt kann man zwischen zwei Einstellungen auswählen, die 7 mm differieren. An dem Aufnahmepunkt am Mündungsende kann man mit einem Drehrädchen stufenlos die Schiene um 7 mm nach oben oder unten drehen.

Die Läufe der XTrap AS sind Steelium-Pro-
Läufe von Beretta. Die Steelium-Läufe der DT 10/682/686/687 hatten alle einen gleich langen Übergangskonus von 65 mm (bei 76 cm Lauflänge). Der Übergangskonus der DT11-Steelium-PRO-Läufe wurde auf 480 mm verlängert, derjenige der 692-Steelium-PLUS-Läufe auf 360 mm. Damit ist der Übergangskonus der 692-Läufe 5,5-mal länger als derjenige der 682. Die Beretta-Ingenieure versprechen eine höhere ballistische Leistung: Wegen der besseren Gewichtsverteilung entlang des Laufes und der sanfteren Gasdruck-
entwicklung innerhalb des Laufes verbessert sich einerseits das Verhalten des Laufes im Schuss; andererseits wird wegen der allmählicheren Durchmesserveränderung die Schussentwicklung vom Patronenlager zur Mündung positiv verändert. Der Rückstoß und das Springen der Mündung nach oben sollen dadurch verringert werden, was eine leichtere Zielaufnahme vor dem zweiten Schuss zur Folge hat. Die XTrap AS wird übrigens mit 76er- oder 81er- Läufen angeboten.

Der Umschalter auf dem Kolbenhals hat eine kleine Besonderheit. Mit einer kleinen Schraube kann man den Schalter feststellen, um diesen nicht versehentlich zu verstellen. Das macht durchaus Sinn, da eine Trap-Flinte immer wegfliegende Tauben schießt und man eigentlich nie in der Versuchung ist, den unteren Lauf gegen den oberen zu wechseln. Vielmehr wird man sich auf eine feste Kombination von Patronen, Chokes und Läufen einstellen. Dazu kommt, dass Trap-Schützen für den ersten und zweiten Schuss auch unterschiedliche Patronen benutzen. Ein weiterer Grund dafür, die Schussreihenfolge zwischen oberem und unterem Lauf nicht dauernd zu ändern.

Der Verschluss ist der übliche Flankenverschluss mit den Verschlussschultern der 692 von Beretta. Die Verschlussschultern sind übrigens austauschbar, falls das mal notwendig ist.

Der Abzug hat eine gute Charakteristik und kann ebenfalls verstellt werden. Es stehen drei Einstellmöglichkeiten zur Verfügung. Mit einer kleinen Schraube löst man den Abzug und dann kann dieser auf einer Schiene nach vorn oder nach hinten geschoben werden, um dann in einer der drei Positionen wieder festgestellt zu werden.

Das B-FAST-System kennen wir von der 692. Mit zwei Inbusschrauben können wir den verstellbaren Schaftrücken abnehmen und die Sicht auf das System wird frei. Mit Unterlegplatten oder sog. Spacern kann man den verstellbaren Schaftrücken um 11 mm nach oben verstellen. Löst man die Bolzen, kann man den Schaft um 7 mm seitlich verstellen. Damit hat man eine Fülle von Möglichkeiten, um sich die Flinte an die eigenen Gegebenheiten anzupassen.

Ebenfalls gehört zum B-FAST-System auch ein Balancer im Schaft der 692. Nimmt man die Schaftkappe ab, sieht man eine Schraube, die mehrere Gewichte hält. Kleiner Tipp: Taucht man den Schraubenzieher in Vaseline oder Waffenfett, beschädigt man das Gummi der Schaftkappe nicht so schnell. In 20-g-Schritten kann man die Balance der Flinte nach hinten oder vorne stellen.

Zu guter Letzt darf nicht verschwiegen werden, dass die 692 XTrap AS noch mit fünf mündungsbündigen OCHP-Chokes geliefert wird.

Auf dem Schießstand

Das wuchtige Aussehen der XTrap AS spiegelt sich im Handling wider und kommt dem Trapschützen zugute. Die Flinte ist nicht nervös, sondern lässt sich sehr gut auf, unter oder über die Taube bringen. Je nachdem, wie man es gerne hätte, kann man durch die verstellbare Laufschiene und den Schaft mit dem B-Fast-System seine XTrap AS genau auf sich einstellen. Das ist natürlich Fluch und Segen gleichzeitig, denn die vielen Verstellmöglichkeiten verführen zum „rumschrauben“. Es dauert schon ein wenig, bis man Abzug, Laufschiene, Schaftrücken und die Gewichte im Schaft in Einklang mit dem Schützen gebracht hat. Aber es lohnt sich, dafür viel Zeit aufzuwenden, denn mit diesen Möglichkeiten hat man die Chance, eine perfekt abgestimmte Trap-Flinte für den Schützen zu bekommen. Bei unserem Testschießen haben wir für die Einstellung eine Laserpatrone zur Hilfe genommen und diese auf 25 m auf eine Wand projiziert. Damit ließen sich die ersten groben Einstellungen sehr gut vornehmen. Der Rest ist dann schlichtweg Arbeit und muss auf dem Schießstand erledigt werden. Aber es macht auch sehr viel Spaß, wenn man merkt, dass man sich nach und nach an das Optimum rantastet und die Trefferquote immer besser wird.

Fazit

Die 692 XTrap AS von Beretta ist ein absolutes Spezialwerkzeug und so muss es auch eingeordnet werden. Wer hier und da mal auf den Schießstand geht und alle Disziplinen mal schießt, wird an der Flinte wenig Freude haben. Wer allerdings im Bereich Trap Erfolge verzeichnen möchte, ist mit der XTrap AS bestens bedient. Die Flinte bietet alle Optionen, die man in Training und Wettkampf braucht. Und wenn man sich dann noch mit den Verstellmöglichkeiten der Flinte auseinandersetzt, wird man an der XTrap großen Spaß haben. 

Laut Liste schlägt die Flinte mit 4.425 Euro zu Buche, was für die Ausstattung vollkommen in Ordnung geht.

 

Text und Fotos: Dominik Allartz


Beretta Fast Adjustment System Technology

B-FAST heißt „Beretta Fast Adjustment System Technology“. Unter diesen Begriff fallen bei Beretta jetzt und in der Zukunft alle Maßnahmen, die im weitesten Sinne der Anpassung der Flinte dienen. Im Falle unserer Testwaffe bedeutet B-FAST-Balance, dass serienmäßig die Balance mit einem Handgriff geändert werden kann. Das ist besonders wichtig, wenn der Schaft gekürzt oder verlängert werden muss. Der Vorgang ist so einfach, dass der Schütze ihn selbst vornehmen kann. Entfernt man die mit zwei Schrauben befestigte Schaftkappe, wird der Blick auf einen Kanal im Hinterschaft frei, in dem fünf Gewichte à 20 g hintereinander angeordnet sind, die mit einer Schraube an einem davorsitzenden sechsten Gewicht befestigt sind, welches mit dem Holz verbunden ist. Diese Lösung ist durchdacht, weil die Schraube nicht in das Holz greift, sondern in das „letzte“ Gewicht, das mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals entfernt werden wird. Weil die Gewichte sich fast am Ende des Schaftes in der Nähe der Schaftkappe befinden und damit so weit wie möglich von den Scharnierbolzen entfernt sind, hat jedes Gewicht wegen der Hebelwirkung einen maximalen Einfluss auf die Balance. Jede 692 ist vom Werk aus eingestellt, aber das B-FAST-Balance-System gibt dem Besitzer die Möglichkeit, die Balance der Flinte seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend optimal anzupassen. So wird aus einer 692 seine 692!