Benelli 828U

Ladykiller

 

Der Name Benelli steht bei uns Flintenschützen eigentlich für Automaten der Extraklasse. Die ganze IPSC-Szene schätzt die Zuverlässigkeit und Qualität der Supernova und Co. Doch nun trauen sich die Italiener an eine Bockdoppel-
flinte. Wir haben uns die Schönheit aus Italien angeschaut.

Damit eins klar ist: Die 828U ist erstmal eine Jagdflinte. Dass die Benelli eine Jagdflinte ist, finden wir nicht so dramatisch, da viele Schützen eine Flinte für den Schießstand und für die Jagd nehmen. Wir haben eine 828U mit 71er-Läufen und einer schwarzen Basküle bekommen. Der erste Eindruck polarisiert. Die Flinte hat ein außergewöhnliches, ja sogar extravagantes Design. 

Die Flinte

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Der Schaft ist mit dem Progressive Comfort System ausgestattet, welches den Rückstoß der Waffe je nach Schrotvorlage mindert. Darüber hinaus hat der Schaft­rücken eine austauschbare Gummieinlage, die das Anschlagen an das Jochbein sehr angenehm macht, nicht rutscht und Schwingungsübertragungen auf den Kopf minimiert. Das Highlight ist aber die Basküle, sie ist mit 62mm extrem niedrig und lässt sich nur schwer beschreiben, man muss sie einfach sehen. Der Pistolengriff geht ganz schmal in das System über und verleiht der Flinte eine außergewöhnliche und moderne Eleganz, die man so bei keiner anderen Flinte findet. Weich geschwungene Linienführung und klare Formen dominieren. 

Über den beiden freiliegenden Läufen thront eine austauschbare Carbonschiene mit einem dezenten Korn an der Mündung. Auf ein Hilfskorn wurde verzichtet. Ob das aus ästhetischen oder funktionalen Gründen gemacht wurde, bleibt offen. Beides ist bei den italienischen Designern möglich. 

Die Läufe sind nur an der Mündung und am Monoblock verlötet und somit kann man diese durchaus als freiliegend oder fast freiliegend bezeichnen. Zu der Flinte werden fünf Wechselchokes mit passendem Werkzeug mitgeliefert.

Die Abzugsgruppe ist mittels einem beiliegenden Werkzeug herausnehmbar. Dieser Vorgang sollte im gespannten Zustand durchgeführt werden, da man sonst die Abzugsgruppe zwar lösen kann, aber das Herausnehmen ist nicht möglich. Das mussten auch wir nach einer Viertelstunde lernen. Ein kurzer Blick in die Betriebsanleitung hätte uns das erspart. Schlägt man die Flinte ab, spürt man den etwas rustikalen Jagdabzug der 828U, der ein wenig zum Kriechen neigt. Bei etwa 2.500 Gramm bricht der Schuss. Wir hatten den Eindruck, dass der Abzug innerhalb unseres Tests etwas weicher wurde und werden diesen Wert zum Schluss unseres Langzeittests nocheinmal überprüfen. Der zweite Schuss bricht bei etwa 2.700 bis 2.800 Gramm. Somit ist das aus unserer Sicht für die Benelli kein großer Kritikpunkt, da es auf der Jagd etwas rauer zugeht als auf dem Parcours. Bei der Treibjagd oder auf dem Entenstrich ist der Abzug absolut tauglich.

Die Schaftverstellung

Auf das Thema wollen wir vorerst nur der Vollständigkeit halber eingehen. Die Benelli wird mit einer ganzen Reihe von Platten und Spacern geliefert, die man zwischen System und Schaft verbauen kann. Je nach Kombination kann man seine Schaftmaße berücksichtigen und selber die Flinte anpassen. Genaue Details über die Schaftverstellung und die Funktionsweise, erläutern wir voraussichtlich in Ausgabe 3/2016.

Der Verschluss

Eigentlich wären wir nun mit der Beschreibung der Flinte fertig, wäre da nicht eine Besonderheit. Die 828U hat einen Blockverschluss und ist somit für die Ewigkeit gebaut. Das Laufbündel wird oben wie unten von der Blockplatte umschlossen und verriegelt die Läufe somit nahezu umlaufend. Das macht sich natürlich im Schussverhalten bemerkbar, da die ganze Energie horizontal abgegeben wird und somit geradlinig nach hinten in das Progressive Comfort System geleitet wird. Das ist auch notwendig, denn die Flinte kommt mit einem Gewicht von 2.950 Gramm daher, was sie für die Jagd sehr führig und angenehm zu tragen macht. Auch die Damenwelt wird ihre Freude an der Benelli haben. Neben dem anspruchsvollen Design ist sie eine ideale leichte Begleiterin für die Waidfrauen. 

Aber schweifen wir nicht ab – bei uns geht es um den Sport. Bevor es auf den Schießplatz geht, versuchen wir die Benelli 828U nochmal zusammenzufassen:

Design und Technik sind bei der 828U außergewöhnlich. Damit ist alles gesagt. Eine Information hätten wir aber fast vergessen: Die 828U Black kostet 2.684 Euro und die 828U mit vernickeltem Systemkasten kostet 3.110 Euro. Das ist für diese Flinte ein absolut fairer Preis.

Auf dem Schießstand

Jeder Zweifel bezüglich Gewicht und Abzug sind auf dem Schießstand sofort verschwunden. Der Abzug ist tadellos und der Schießkomfort, dank Progressive Comfort, machen das Schießen zum Vergnügen. Für den einen oder anderen hätte noch etwas mehr Gewicht im Schaft sein können. Das ist aber reine Geschmackssache. 

Wir hoffen auf eine sportliche Ausführung der Flinte und wer Benelli kennt weiß, dass diese wohl nicht lange auf sich warten lässt. Eine Variante mit 66er-Läufen und einem verkürzten Schaft soll schon im Frühjahr verfügbar sein. Mit dieser Konfiguration wird Benelli dann wirklich die Herzen aller Damen erreichen und damit zum echten Ladykiller, aber auch ein Muss in Jagdschulen und Ausbildungsbetrieben.

 

Text und Fotos: Dominik Allartz