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"Ohne" wird es offensichtlich

An meine Zeit als angehender Jungjäger kann ich mich bestens erinnern, auch wenn das lange her ist. Ich sollte eine Briefmarke auf einen Spiegel kleben und mit meiner Flinte darauf in Anschlag gehen, jeden Tag und so oft wie möglich, wurde mir von allen Seiten geraten. „Der Anschlag muss sitzen“ – sagte man. Auch heute mögen die Empfehlungen ähnlich lauten, auch wenn die meisten Absolventen eines Jagdkurses bedauerlicherweise keine eigene Flinte mehr besitzen dürfen und dadurch dem Training zu Hause ein Riegel vorgeschoben worden ist. Mehr und mehr bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ein derartiges Fokussieren auf den Anschlag, der ja nur einen Teilbereich des Flintenschießens darstellt, zur Ursache eines programmatischen Fehlers werden kann.

Höher, schneller, weiter?

Wer mit der Flinte schießt, begibt sich auf hochinteressantes Terrain. Man kann sich ein Leben lang mit dem Werkzeug selbst und mit der Lehre seines guten Einsatzes beschäftigen und lernt doch kontinuierlich Neues hinzu. Aber abseits aller Techniken und Methoden hat uns das Flintenschießen so viel mehr zu bieten als man denkt, wenn man eine Flinte zum ersten Mal in die Hände nimmt. 

Es ist von der Faszination des Flintenschießens die Rede, was darauf hinweist: Es muss um deutlich mehr gehen als „nur“ Tontauben zu „zerschießen“. Was ist das Faszinierende am Flintensport?

Das ist der dritte Teil unserer Reihe „Ankuscheln“ statt „anschlagen“! Hier gehts zu Teil 1 und Teil 2

„Drehen sticht Anschlagen“

„Auf den Anschlag kommt es an!“ ist das erste, was ein Anfänger üblicherweise über das Flintenschießen erfährt. Der Anschlag ist zwar wichtig, aber es gibt etwas anderes, was mindestens genauso wichtig ist, weil „es“ einen guten Anschlag überhaupt erst ermöglicht. Anders herum ausgedrückt bedeutet das: Ohne „es“ ist ein korrekter Anschlag kaum machbar. Für die in diesem Artikel beschriebenen Übungen benötigt man eine/n „zweite/n Mann/Frau“. Das kann ein Trainer sein, aber auch ein sachkundiger Schützenkollege.

„An eine große Aufgabe sollte man herangehen wie ein Hund. Viele kleine Lecker machen die Schüssel leer“, sagt ein Botswana-Zitat. Wenn man einen Sport erlernen will, tut man gut daran, die Bewegungen in kleine Schritte zu zerlegen und jeden Schritt für sich zu üben. Es wäre wenig sinnvoll, wenn ein Anfänger beispielsweise auf einen Trap-Stand ginge und versuchen wollte, auf Wurfscheiben zu schießen, die in alle Richtungen von ihm wegfliegen. Alles auf einmal geht nicht. Schnell würde man sich die Unarten des Anschlagens angewöhnen. Danach fällt es umso schwerer, eine gute Anschlagtechnik zu erlernen. Denn man müsste erst die „alten Fehler“ abstellen. Die nachfolgenden Übungen eignen sich für Anfänger wie für Fortgeschrittene, die ihre Anschlagtechnik verbessern wollen, und sind in der Praxis erprobt – man benötigt für die zehn Schritte zusammen nicht mehr als eine Stunde. 

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...“ – heißt es im Volksmund. Nun muss man sich an eine Flinte nicht ewig binden. Aber die falsche zu kaufen, kann ein teures „Vergnügen“ werden. Eine Gebrauchtwaffe, und eine solche ist eine Neuwaffe eine Stunde nach dem Kauf schon, verkauft man in diesen Zeiten nicht mal so eben.