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Die Flinte passt, wenn

In der aktuellen Ausgabe des CPSA-Magazins PULL! stieß ich auf eine Kolumne von Ian Coley mit der Überschrift „GUN FITTING“. Man könnte denken, dass im Mutterland des Flintenschießens das professionelle Anpassen des Schaftes an seinen Besitzer zum guten Ton gehöre und deswegen der weit verbreitete Standardfall sei. Das scheint nicht so zu sein. Denn der Kolumnist beklagt sich darüber, dass GUN FITTING eine „oft vergessene Notwendigkeit“ sei.

Die „Augendominanz“ des Flintenschützen

Unter den Elementen des Flintenschießens gibt es eines, das in besonderem Maße von Mythen, Halbwahrheiten und in die Irre führenden Aussagen umwoben wird. Einem Einsteiger mag der erste Kontakt mit einer Flinte ohnehin wie die Begegnung mit einem großen Geheimnis vorkommen. Aber wenn es um die Augen des Flintenschützen geht und darum, wie sie funktionieren und „was sie mit einem machen“, wird es wirklich mystisch. Den meisten fällt als Antwort nichts anderes ein, als beim Schießen ein Auge zuzukneifen.

„Puhh … der letzte Schuss … jetzt bloß ruhig bleiben und nicht nervös werden. Einfach genauso wie vorhin. Nur noch dieser eine Treffer und ich hab den Sieg in der Tasche … schaffe ich das? Letztes Mal hat es auch nicht geklappt. Die Leute schauen alle und was denken die jetzt, wenn ich wieder vorbeischieße?“ – Wer kennt diese Gedankengänge denn nicht?

"Ohne" wird es offensichtlich

An meine Zeit als angehender Jungjäger kann ich mich bestens erinnern, auch wenn das lange her ist. Ich sollte eine Briefmarke auf einen Spiegel kleben und mit meiner Flinte darauf in Anschlag gehen, jeden Tag und so oft wie möglich, wurde mir von allen Seiten geraten. „Der Anschlag muss sitzen“ – sagte man. Auch heute mögen die Empfehlungen ähnlich lauten, auch wenn die meisten Absolventen eines Jagdkurses bedauerlicherweise keine eigene Flinte mehr besitzen dürfen und dadurch dem Training zu Hause ein Riegel vorgeschoben worden ist. Mehr und mehr bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ein derartiges Fokussieren auf den Anschlag, der ja nur einen Teilbereich des Flintenschießens darstellt, zur Ursache eines programmatischen Fehlers werden kann.

Das ist der dritte Teil unserer Reihe „Ankuscheln“ statt „anschlagen“! Hier gehts zu Teil 1 und Teil 2

„Drehen sticht Anschlagen“

„Auf den Anschlag kommt es an!“ ist das erste, was ein Anfänger üblicherweise über das Flintenschießen erfährt. Der Anschlag ist zwar wichtig, aber es gibt etwas anderes, was mindestens genauso wichtig ist, weil „es“ einen guten Anschlag überhaupt erst ermöglicht. Anders herum ausgedrückt bedeutet das: Ohne „es“ ist ein korrekter Anschlag kaum machbar. Für die in diesem Artikel beschriebenen Übungen benötigt man eine/n „zweite/n Mann/Frau“. Das kann ein Trainer sein, aber auch ein sachkundiger Schützenkollege.

„An eine große Aufgabe sollte man herangehen wie ein Hund. Viele kleine Lecker machen die Schüssel leer“, sagt ein Botswana-Zitat. Wenn man einen Sport erlernen will, tut man gut daran, die Bewegungen in kleine Schritte zu zerlegen und jeden Schritt für sich zu üben. Es wäre wenig sinnvoll, wenn ein Anfänger beispielsweise auf einen Trap-Stand ginge und versuchen wollte, auf Wurfscheiben zu schießen, die in alle Richtungen von ihm wegfliegen. Alles auf einmal geht nicht. Schnell würde man sich die Unarten des Anschlagens angewöhnen. Danach fällt es umso schwerer, eine gute Anschlagtechnik zu erlernen. Denn man müsste erst die „alten Fehler“ abstellen. Die nachfolgenden Übungen eignen sich für Anfänger wie für Fortgeschrittene, die ihre Anschlagtechnik verbessern wollen, und sind in der Praxis erprobt – man benötigt für die zehn Schritte zusammen nicht mehr als eine Stunde. 

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...“ – heißt es im Volksmund. Nun muss man sich an eine Flinte nicht ewig binden. Aber die falsche zu kaufen, kann ein teures „Vergnügen“ werden. Eine Gebrauchtwaffe, und eine solche ist eine Neuwaffe eine Stunde nach dem Kauf schon, verkauft man in diesen Zeiten nicht mal so eben.