Aller Anfang ist schwer!

Diesen Spruch und andere Lebensweisheiten bekommt ein Anfänger meistens auf dem Schießstand zu hören, wenn man zum ersten Mal eine Flinte in die Hand nimmt und auf eine Tontaube schießt. In den allermeisten Fällen handelt es sich um einen Jagdscheinanwärter, der für seine Jägerprüfung drei von zehn Tauben treffen muss.

Die Geschichte geht dann in aller Regel auf folgende Weise weiter: Der Novize wird dann von einem guten Flintenschützen unter seine Fittiche genommen und fängt an, seine ersten Erfahrungen zu machen. Doch leider ist ein guter Flintenschütze nur in den seltensten Fällen ein guter Schießlehrer. Lautstarke Kommandos wie „Du mußt schneller werden!“ oder „Du mußt mehr vorhalten!“ werden dann über den Schießstand gebrüllt. Irgendwann ist der Schießlehrer ähnlich gefrustet wie der Jagdschein­anwärter. Zur Prüfung wird dann mit Ach und Krach die geforderte Anzahl von Tauben getroffen und leider hat der Wurfscheibensport einen neuen hoffnungsvollen Kandidaten verloren, denn Spaß hat das Flintenschießen nicht gemacht.

Der optimale Start

Wer mit dem Flintenschießen beginnen möchte und noch keine Berührungspunkte mit dem Sport hatte, sollte ein Flintenseminar bei einem anerkannten Schießlerhrer machen. Hier ist man in Deutschland in den allermeisten Fällen auf eine Empfehlung angewiesen, da es in Deutschland kein offizielles Gütesiegel für einen Flintenschießlehrer gibt. Ein Anhaltspunkt ist die Ausbildung zum CPSA-Trainer oder CPSA-Coach. CPSA steht für „Clay Pigdeon Shooting Association“ und repräsentiet den größten Verband in England. Ein Schießlehrer, der diese Ausbildung absolviert hat, kann nach dem Konzept der CPSA schulen, was international anerkannt ist. Das soll aber keinesfalls bedeuten, dass deutsche Flintenlehrer die keine CPSA Ausbildung haben, nicht ebenfalls eine fundierte Schulung bieten können.

Nach einem Seminar, was in der Regel einen Tag dauert, kann man für sich schon sehr gut einschätzen, ob einen der Flintensportvirus infiziert hat oder nicht.

Was nun?

Wenn man sich dazu entschieden hat, ein erfolgreicher Flintenschütze zu werden, steht man vor vielen Fragen:

  • Wo kann ich schießen?
  • Wo ist der nächste Verein?
  • Wie bekomme ich eine Flinte?
  • Was brauche ich für eine Flinte?
  • Welche Ausrüstung benötige ich?

Wo ist der nächste Club?

Höchstwahrscheinlich wird der nächste Wurfscheibensportverein in der Nähe eines Schießstands seine Zelte aufgeschlagen haben. Somit ist der nächste Schießstand für einen Anfänger immer die beste Adresse, um Anschluss zu bekommen. Eine Liste über die Schießstände findet man im Internet. Wer nicht lange googeln möchte, kann direkt unter www.wurfscheiben-sport.de im Forum eine Verteilungskarte der Schießstände bekommen. Wer keine Kommunikaktionsschwiergkeiten hat, sollte sich direkt mit dem Vorsitzenden des nächsten Schießstands in Verbindung setzen. In der Regel wird man mit offenen Armen aufgenommen. Sollte der erste Kontakt etwas distanziert oder ruppig sein, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Hier und da ist die Mannschaft vom Schießstand ein eingeschworener Verein, der es nicht gewohnt ist, dass Neulinge dazustoßen.

Danach muss man einfach ein paarmal beim Schießen auftauchen. Bietet sich die Möglichkeit, sich irgendwo einzubringen, kann man nur raten, seine Hilfe anzubieten.
Nachdem der Autor dieses Artikels geholfen hat, ca. 100 Kartons Tontauben auf den Stand zu schleppen und diese in Hochhaus, Niederhaus und Trap-Graben zu wuchten, war das Eis gebrochen, und der Rest ging ganz von alleine.

Die ersten Schritte

Zuerst muss ich mir Gedanken machen, ob ich eine Erwerbsberechtigung für eine Flinte habe. Das ist in der Regel erstmal nicht der Fall. Für den Kauf benötige ich einen Jagdschein oder eine Waffenbesitzkarte (WBK) für Sportschützen. Um an eine WBK zu kommen, muss man erstmal ein reines Vorstrafenregister haben. Ansonsten stehen die Chancen eher schlecht. Hat man sich nichts zuschulden kommen lassen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man macht einen Jagdschein oder man tritt einem Verein bei und wird Sportschütze.

Wer einen Jagdschein gemacht hat, kann in umbegrenztem Umfang Langwaffen und zwei Kurzwaffen kaufen. Der Aufwand für einen Jagdschein ist nicht zu unterschätzen. Man kann entweder über die Kreisjägerschaften oder über eine Jagdschule zu einem solchen kommen. Man sollte kosten von 2.000 bis 3.000 Euro einrechnen.

Der Weg über die Sportschützen ist etwas einfacher und günstiger, aber leider langwieriger. Zum einen muss der Verein, in den man eintreten möchte anerkannter Wurfscheibensportverein sein. Es kann also nicht jeder Sportschützenverein die Grundbedingung für einen Flintenkauf sein. Dieser Verein muss also tatsächlich diesen Sport ausüben. Der Kleinkaliber-Schützenverein aus dem Ort tut es da leider nicht. Nach einjähriger Mitgliedschaft und einer Prüfung, die um einiges leichter als der Jagdschein ist, kann man eine WBK beantragen und eine Flinte kaufen. Wohlgemerkt: erstmal nur eine! Bis dahin muss eine Flinte auf dem Schießstand geliehen werden.

Wohin mit der Flinte?

Hat man über seine WBK nun eine Flinte gekauft, hat man schon die nächste Hürde zu nehmen. Wohin damit? In Deutschland braucht man für eine Flinte einen Waffentresor mit der Sicherheitsstufe A. Hier reicht die Bandbreite von der Baumarktvariante für 200 Euro bis zur Edelvariante für mehrere Tausend Euro.
Bei der Kaufentscheidung ist es ratsam, über die Aufbewahrung der Munition nachzudenken. Ein motivierter Flintensportler hat immer eine hohe Anzahl von Schrotpatronen zu Hause und das Munitionsfach der Baumarktvariante ist schnell voll. Hier kann ein separater Munitionsschrank helfen.

Man sollte auch darüber nachdenken, dass man in seinem aktiven Sportschützenleben höchstwahrscheinlich mehrere Flinten besitzen wird. In aller Regel auch eher gleichzeitig als nacheinander. Somit sollte man den Waffenschrank auch unter diesem Gesichtspunkt richtig dimensionieren.

Wie hoch ist der Zeitbedarf?

Wer ernsthaft mit dem Flintensport beginnen möchte, sollte in der Saison mindestens einmal pro Woche trainieren. Dazu kommen noch ein paar Wochenendtermine für Turniere und ein bisschen Vereinsleben.
Nimmt man später an Turnieren teil, muss man davon ausgehen, dass diese nicht direkt vor der eigenen Haustür stattfinden, sondern im Bundesgebiet weit verstreut sind. Eine gewisse Reisebereitschaft sollte schon vorhanden sein.

Dafür bekommt man viele wunderbare Schießstände und Ecken von Deutschland und evtl. sogar der Nachbarländer zu sehen.
Möchte man allerdings nur hier und da mal seine Flinte ausführen, kann man das natürllich auch machen. Dann ist der Zeitbedarf natürlich nicht ganz so groß.

Zubehör

Die Flinte ist das wichtigste Utensil. Eine Kaufempfehlung würde diesen Artikel sprengen und wird an anderer Stelle behandelt.
Auf jeden Fall braucht man aber eine Schießweste. Zum einen bietet diese genügend Taschen für Munition für eine Trap-Runde zum anderen hilft sie einem beim Anschlag mit einem glatten Schulterbereich. Es wurden auch schon Flintenschützen gesehen, die mit Polohemd geschossen haben. Beim ersten Anschlag flogen Fluppenschaften und Feuerzeug über den Stand, weil diese vom Schaft aus der Brusttasche geschubst wurden.

Ein Gehörschutz ist ganz wichtig. Hier gibt es eine große Bandbreite von Lösungen. Vom günstigen gelben Ohrstopfen bis zum elektronischen Gehörschutz mit Bluetooth-Anschluss für das iPhone. Auch der Hörgeräteakkustiker kann einem für sein Ohr angepasste Lösungen verkaufen. Letztendlich muss man testen, was man „gut ab kann“. Stöpsel in den Ohren ist nicht jedermanns Sache. Auf keinen Fall sollte man ohne Gehörschutz schießen. Jeder Schuss ohne Gehörschutz ist einer zu viel.

Dazu kommt noch eine Schießbrille und eine Kopfbedeckung. Die Schießbrille hat neben dem Schutz der Augen noch den Effekt, dass man mit den richtigen Gläsern den Kontrast erhöhen und somit die Tontauben schneller erkennen kann. Die Kopfbedeckung dient ebenfalls dem Schutz vor absplitternden Teilen der getroffenen Tontaube.

Darüber hinaus gibt es noch Schützer für die Schuhe damit diese nicht Schaden nehmen, wenn man die Flinte darauf abstellt. Weiterhin gibt es div. Transportbehälter für Schrotpatronen, die man wahlweise am Gürtel festmachen oder sich umhängen kann. Dazu kommen Laserpointer, div. Choke-Sätze, Handschuhe, Schuhe und Funktionsunterwäsche.

Auf Schießständen gibt es alle Varianten von Schützen. Die einen kommen mit der Flinte und drei Paketen Schrotpatronen und die anderen mit einem „Hackenporsche“, um die benötigte Ausrüstung an den Schießstand zu bekommen. Was hiervon Quatsch ist oder nicht, ist schwer zu sagen. Letztendlich haben alle das gleiche Hobby und haben Spaß am sportlichen Flintenschießen.

Dominik Allartz