Afrika wir kommen

Africa kom ons

Nach längerer gesundheitlich bedingter Schieß- und Jagdpause meiner Frau, meinem anstehenden runden Geburtstag, reifte der Entschluss zum Warm-up für das Parcoursschießen sowie zum Wandern und ggf. zum Taubenjagen nach Südafrika zu gehen. Im März findet in Südafrika – diesmal in der Nähe von Johannesburg – die Panafrican Championship statt. Innerhalb einer Woche besteht die Möglichkeit, zwei Grand-Prix-
Parcoursschießen (jeweils 200 Tauben) und einem Compak Grand Prix zu absolvieren und zwischendurch zu trainieren. Zwei der drei Schießen sind direkte FITASC-Schießen, für den sich die Schützen aus Übersee über die FITASC-Homepage registrieren dürfen.

Flüge und Übernachtung organisiert, die neue Geburtstagsflinte eingetragen, alle Papiere vorbereitet und los ging es via Zürich in den Spätsommer nach Johannesburg. Die Gepäckabfertigung war schnell erledigt. Bei der Waffeneinfuhr erwartete uns die erste Überraschung. Großes Hallo beim Treffen mit George Digweed, Jean Palinkas und weiteren internationalen Schützen, die alle vor der Hürde standen, keine Exportgenehmigung ihres Heimatlandes vorweisen zu können und somit ihre Waffen nicht freibekamen. Hier hatte der Amtsschimmel zugeschlagen, da diese Anforderung weder auf der Homepage der Polizei, noch im Formular vermerkt oder beim Nationalen Schießverband
CTSASA
bekannt waren.

Gott sei Dank war es Freitagfrüh, und Dank der unkomplizierten Unterstützung unseres Amtes hatten wir nach zwei Stunden dass geforderte Dokument in der Hand. Das wahr wahrlich bürgernah!

Im Hotel eingetroffen, überzeugten uns unsere englischen Kollegen doch gleich am nächsten Morgen, den Grand Prix in Wattlespring mitzuschießen.

So stand am Samstag und Sonntag jeweils der erste Wettkampf auf dem Programm, insgesamt acht Linien mit drei Ständen. Das Wetter war durchwachsen und sehr windig, sodass einige bereits unter Normalbedingungen gesetzte weite Tauben noch ein wenig weiterflogen. Das Layout war sehr knackig, was sich auch an den erreichten Endergebnissen vom Sieger Andras Szerdahelyi (HUN) mit 178 und Zweitplatzierten Georg Digweed (GBR) mit neuer Hightech-Perazzi mit 172 Treffern manifestierte. Ruth wurde für ihren Einsatz mit einer Silbermedaille bei den Damen belohnt und ich mit der langsamen Gewöhnung an meine neue Freundin, die ich termingerecht kurz vor meinem Geburtstag bei Krieghoff in Ulm abholen durfte.

Nach einem Ruhetag ging es nun zum Training und zur Munitionsbeschaffung nach Sterkfontein. Dort hatten wir auch Gelegenheit, unsere Landsleute Georg und Christel zu treffen. Der folgende Sporting Grand Prix war sowohl vom Schwierigkeitsgrad als auch von der Taubenkombination harmonisch und ausgewogen und nicht mit dem Layout von Wattlespring zu vergleichen. Dass spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider. Den ersten Platz beim Sporting Grand Prix erschoss sich souverän Tim Hubner (ZAF) mit 195 Treffern. Nach einem spannenden Stechen belegte George Digweed (GBR) den zweiten und Andras Szedahelyi (HUN) den dritten Platz (jeweils 188 Treffer).

Bei den Damen erschoss sich Christel Roth den ersten Platz. Ruth belegte den undankbaren vierten Platz mit zwei Treffern hinter der Drittplatzierten Corneli Strijdom aus ZAF.

Der Beginn des Compak Grand Prix am Samstag war am Vormittag durch eine Schlechtwetterfront und kühle Temperaturen gekennzeichnet. Es gab viel Arbeit für die Organisatoren, da einige Maschinen „abgesoffen“ waren und der „No Bird“ ein ständiger Begleiter wurde. Die Wartezeiten konnten wir gut an wärmenden Feuern verbringen. Gott sei Dank hörte der Regen gegen Nachmittag auf, jedoch blieb uns der „No Bird“ während des Grand Prix erhalten. Gesamtsieger des Compak Grand Prix wurde Andras Szerdahely (HUN) mit 196 Treffern. Nach einem spannenden Stechen zwischen George Digweed (GBR), Remingiusz Wlo-
darczyk (POL) und Tim Hubner (ZAF) mit jeweils 195 Treffern konnte sich Georg Digweed auf Platz 2 und Remingiusz Wladarcyk aus Polen auf Platz 3 durchsetzen. Tim Hubner blieb mit einer Taube Abstand im Stechen der vierte Platz. Das Los teilte er auch mit meiner Frau. Eine Taube Abstand und der vierte Platz. Groll.

Die Siegerehrung für den Sporting und Compak Grand Prix fand gemeinsam bei bestem Sonnenschein am Sonntagnachmittag statt. Als Überraschungspaket belegt Ruth den zweiten Platz der Panafrican Championship bei den Damen, da unbekannterweise die zwei Sporting-Grand-Prix-Events gemeinsam gewertet wurden. Somit kam auch noch ein Pokal ins Haus.

Alles in allem drei wunderbare Schießen mit toller Atmosphäre, geprägt durch supernetten und sportlichen Umgang, überschaubarer Teilnehmerzahl (ca. 150 Teilnehmer) und einer Unmenge Spaß miteinander. Hier steht insbesondere für uns das Kennenlernen anderer Kulturen und Umgebungen im Vordergrund.

Im nächsten Jahr findet die Panafrican Championship wieder im Valley Gun Club in der Nähe von Cape Town statt. Vormerken!!!

Da wir diesmal ein wenig mehr an Zeit im Rucksack hatten, fuhren wir dann ca. 500 km gen Durban, um einige Tage in den Drakensbergen zu verbringen und zu wandern. Eine unvergessliche Landschaft, die wir so nicht in Südafrika erwartet hätten. Wir konnten Eland, und Buschbock-Herden beobachten sowie einiges an Flugwild, wobei die Flinten in der Lodge blieben und durch ein Fernglas ersetzt wurden.

Aber nach einer Woche Wandern kann der Finger nicht ruhig bleiben und wir organisierten spontan einige Tage Taubenjagd in den Sonnenblumenfeldern bei Blomfontain. Die Tauben richten an den Sonnenblumenfeldern große Schäden an und reduzieren den Ernteertrag um bis zu 40%. Durch die Wetterbedingungen der letzten Monate wurden die Sonnenblumen recht spät gesät und es war an den Feldern die erste Jagd, die durchgeführt wurde. Die zu bejagenden Sonnenblumenfelder lagen in der Nähe eines Dorfes. Die Jagd erregte großes Interesse im Dorf. Bis zu 100 Zuschauer begleiteten die Jagd und ließen es sich nicht nehmen, dass Können der Schützen zu kommentieren. Treffer: Applaus, Fehlschuss: allgemeines Buh. Nach Abschluss der Jagd wurden die Zuschauer zu Jägern, die kaum abwarten konnten, die erlegten Tauben zu sammeln und teilweise direkt vor Ort zu rupfen. Die Taubenjagd in Südafrika ist unseres Erachtens eine Win-win-Aktion. Die Farmer haben weniger Ernteausfall, die Outfitter verdienen ihr Geld, die Jäger jagen und die Anwohner bereichern ihren Speiseplan.

Leider haben auch diese Tage eine Ende und wir treten die Rückreise mit vielen neuen Eindrücken, Erfahrungen und Bekanntschaften im Gepäck an.

Aber keine Sorge,
Africa ons sal ons terug keer
(Afrika, wir kommen wieder)

Text und Fotos: Ruth und Lutz Lütz
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung CTSAS