Workshop

Höher, schneller, weiter?

Wer mit der Flinte schießt, begibt sich auf hochinteressantes Terrain. Man kann sich ein Leben lang mit dem Werkzeug selbst und mit der Lehre seines guten Einsatzes beschäftigen und lernt doch kontinuierlich Neues hinzu. Aber abseits aller Techniken und Methoden hat uns das Flintenschießen so viel mehr zu bieten als man denkt, wenn man eine Flinte zum ersten Mal in die Hände nimmt. 

Es ist von der Faszination des Flintenschießens die Rede, was darauf hinweist: Es muss um deutlich mehr gehen als „nur“ Tontauben zu „zerschießen“. Was ist das Faszinierende am Flintensport?

Ein theoretischer Versuch

Die Einheiten für das Vorhaltemaß auf den Schießständen sind unterschiedlich. „Halte mal zwei Kisten Bier davor!“ Im Grunde weiß jeder, was gemeint ist. Sogar die Weintrinker können sich ein Bild davon machen. Ein weiteres Problem ist, dass wir uns in 30 Meter Entfernung schwer mit der Einschätzung von Abständen tun. Sollen drei Schützen auf 30 Meter die Länge einer Öffnung in einem Tontaubenstand schätzen, kommen sehr unterschiedliche Ergebnisse dabei heraus. Wir wollen mal das Schätzen, die Bierkisten und sonstige Hilfseinheiten weglassen und uns an das Zahlenwerk machen.

Teil 2: Die Organisation

„CPSA zu sein“ ist für viele zuerst eine Geisteshaltung, eine sehr bestimmte Einstellung zum Flintenschießen und zum Umgang miteinander. Die Clay Pigeon Shooting Association (CPSA) ist aber auch eine Organisation, eine Interessenvertretung und ein Ausbildungssystem. Auf jeden Fall verkörpern die Initialen CPSA mehr als nur eine Schießmethode. Was sind die harten Faktoren des nationalen Dachverbandes des Wurfscheibensports in England? 

Drum prüfe, wer sich bindet … 

Die Mutter eines guten Freundes pflegte zu sagen, dass mit dem Preis eines Produktes die Achtung steige. Gemessen an den heute realisierten Verkaufserlösen müsste man schließen, dass dem Produkt „Flinte“ keine große Beachtung geschenkt wird. Jedenfalls nicht die, die sie erhalten müsste, damit der Kunde auch das bekommt, wonach er hätte fragen sollen: nämlich nach dem Handwerkszeug, mit dem er nicht nur erfolgreich, sondern auch mit Lust und Freude schießen kann. Die Durchdringung der Gesellschaft mit Smartphones und Tablets, grenzenlose Kommunikation, Social Media und Onlineshops haben es mit sich gebracht, dass auch Flinten durch ein paar Mausklicks gekauft werden können. Das bedeutet im Endeffekt, dass der Preis zum ausschlaggebenden Kriterium des Handels geworden ist. Eine Beratung findet dann in aller Regel nicht oder kaum statt. Aber auch in den Geschäften der Büchsenmacher und Waffenhändler fragen Kauf-
interessenten oft zuerst und manchmal sogar allein nach dem Preis statt einer Beratung. Diejenigen Händler, die es trotzdem schaffen, eine gute Beratung folgen zu lassen, können nicht sicher sein, ob sie am Ende auch etwas verkaufen können. Das wäre notwendig, um ein Honorar für die Beratung zu erhalten. Selbst in den Fällen, in denen ein Kauf zustande kommt, ist der Preis oft derart gedrückt, dass von einer Honorierung der Beratungsdienstleistung nicht ernsthaft gesprochen werden kann. Was möglicherweise zur Folge hat, dass im nächsten Kundengespräch die Beratung reduziert wird oder ganz unterbleibt. Wer als Verbraucher glaubt, die Tiefpreise seien in seinem Sinne, irrt gewaltig. In diesem Szenario ist eindeutig der Kunde der Verlierer. Denn niemand wird bezweifeln, dass eine Flinte ein beratungsintensives Produkt ist. Die Flinte ist unser zentrales Handwerksgerät. Mit dem können wir nur dann eine gute Leistung erbringen, wenn es das für uns „richtige“ ist. Die Dunkelziffer der Menschen, die das Flintenschießen wegen ihrer Flinte frustriert aufgegeben haben, ist groß. Die Zahl derer, die den Sport oder die Jagd mit der Flinte ausüben, aber höchst unzufrieden sind, mag noch größer sein. All das müsste nicht sein. Man müsste nur ein paar Regeln beherzigen.

Vor fast einem Jahrhundert wurde im Mutterland des Flintenschießens die Clay Pigeon Shooting Association (CPSA) gegründet. Im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte bildeten sich Prinzipien und Grundsätze heraus, die zusammen eine Philosophie ergeben. Sie ist das Fundament, auf dem der Verband steht. 

Nur eine Marketingidee?

Wer eine Flinte kaufen will, sollte sich das auch schon zu Zeiten gut überlegt haben, als der Begriff der „Pointability“ noch nicht in aller Munde war. Schließlich geht es um eine Anschaffung für eine längere Zeit, bei der man zwei oder drei Tausender oder noch mehr schnell los ist. Die „Falsche“ angeschafft zu haben und sie bald wieder zu verkaufen, kommt teuer zu stehen. Sie zu behalten, um kein Geld zu verlieren, heißt, sich selbst einem jahrelangen Frust auszusetzen. Aus dem englischsprachigen Raum ist der Begriff der „Pointability“ zu uns gekommen, der die Internetforen erreicht hat. Mancher hält die „Pointability“ für eine Marketingidee kluger Verkaufsstrategen.

Für Höchstleistung im Wettkampf ist die richtige Wettkampfspannung eine wichtige Voraussetzung. Daher ist im Sport neben dem Entspannen auch die systematische Anspannung oder Aktivierung bzw. der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung eine wichtige Fertigkeit (z. B. der Wechsel zu den verschiedenen Schießständen). Im Vordergrund sollte jedoch nicht ausschließlich die körperliche Aktivierung stehen (Beckmann/Elbe, 2008). Dass die kognitive Bewertung einen enormen Stellenwert im Leistungssport einnimmt und ggf. über Sieg oder Niederlage entscheiden kann, konnte in der Sportwelt nur allzu häufig beobachtet werden. Umso beeindruckender steht hier stellvertretend die Leistung des Ausnahmesprinters aus der Karibik, Usain Bolt. Der Umgang mit Störungen oder Dingen abseits der eigentlichen Handlung (Laufen) scheinen ihn nicht in seiner Konzentration negativ zu beeinflussen, sondern eher zu beflügeln. Doch warum ist dies so? Eine mögliche Antwort darauf liefert Hain (2000).

Einmal Gold hat der US-Amerikaner Matt Emmons in Athen 2004 bereits geschossen. Im Kleinkaliber Liegendkampf ist der seinerzeit 23 Jahre alte Junioren-Weltrekordler seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Jetzt führt er auch im Finale des Dreistellungskampfes – nach neun der zehn Finalschüsse – mit 3,0 Ringen Vorsprung. Wer soll ihm jetzt noch den Sieg streitig machen? Emmons legt an, zielt und trifft. Aber die Trefferanzeige gibt eine Null an. „Ich habe geschossen“, gibt der sichtlich ratlose Emmons zu Protokoll. Alle glauben an einen Patronenfehler und eine Wiederholung des Schusses, ehe die Jury den unglaublichen Fehler aufklärt.

Das Formtief, wer kennt es nicht? Von diesem Schreckgespenst sind nicht nur Amateursportler betroffen, wie das folgende prominente Beispiel zeigt. Martin Kaymer, der beste deutsche Golfer seit Bernhard Langer, erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Im Jahr 2011 setzte er sich erstmals auf Platz eins der Weltrangliste. Nach Langer ist Kaymer erst der zweite Deutsche, dem dies Kunststück gelang. Viele Experten sahen in ihm bereits den kommenden Sieger der nächsten Turniere. Doch in den beiden folgenden Jahren blieb Kaymer deutlich hinter seinen Möglichkeiten und rutschte in der Weltrangliste sogar aus den Top 50. Erstmals seit 2007 blieb Kaymer in der Saison 2013 ohne einen Turniererfolg. Anfänglich sprachen die Außenstehenden von Pech, doch mit weiter ausbleibendem Erfolg und weniger guten Spielleistungen wurden die Stimmen lauter und die Presse nahm erstmals das Wort Formtief in den Mund. Doch was genau ist ein Formtief? 

Das Jahr neigt sich nun allmählich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür und die guten Vorsätze fürs neue Jahr werden geplant. Viele Athleten unterbrechen ihren Trainingszyklus in dieser Zeit aufgrund von unterschiedlichen Gründen. Einer der Hauptgründe, welcher gern in diesem Zusammenhang genannt wird, ist die saisonale Schließung der Schießstände. Doch muss diese Pause zwangsläufig sein? An dieser Stelle würde ich Ihnen gerne die folgende Textzeile zitieren: „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“.