Schützen

Im Porträt: Augustinus von Papen

Als wir die Porträtreihe von in Deutschland praktizierenden Flintentrainern begonnen haben, war uns klar: anders als im Mutterland des Flintenschießens England, wo große Verbände ein Jahrhundert lang die Szene geordnet und gestaltet haben, würden wir es hier in Deutschland mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen zu tun haben. Ebenfalls erwartungsgemäß machen aber gerade die unterschiedlichen Entwürfe und Lebensgeschichten die Sache spannend. Zu denen, die wir vorstellen, unterhalte ich seit Jahren und Jahrzehnten berufliche Verbindungen. Abseits aller Lebensläufe habe ich deshalb von den meisten Flintenlehrern ein paar markante Merkmale im Kopf. So bringe ich mit dem Namen „Augustinus von Papen“ spontan drei Dinge in Verbindung. Unwillkürlich denke ich an die Geschichte von dem „Waggon voll Schrotpatronen“. Diese Geschichte erzählen viele, und von Papen hat sie seit langer Zeit auf seiner Homepage. Die meisten, die über Wagenladungen von Schrotpatronen sprechen, wollen damit sagen, man müsse diese erst mal verschossen haben, um am Ende eines langen Leidensweges Wurfscheiben treffen zu dürfen. Von Papen erzählt sie von der anderen Seite. Es könne einfach nicht sein, dass man Flintenschützen so etwas zumute und sie einem solchen Frust aussetze, sagt er. Als nächstes fällt mir seine Empfehlung ein, beim Flintenschießen nicht einfach nur die Wurfscheibe anzusehen, sondern sich auf eine bestimmte Stelle von ihr zu konzentrieren, beispielsweise auf den linken Rand. Und schließlich habe ich Bilder seines wunderschönen Schießstandes Heisterberg vor meinem geistigen Auge. Doch nun der Reihe nach …

Der „englische“ Flintenmann

Meines Wissens ist Gregor Schmidt-Colberg der dienstälteste hauptberuflich tätige CPSA-Senior-Coach in Deutschland. Ein Senior Coach der englischen Clay Pigeon Shooting Association wird man nicht mal so eben im Vorbeigehen – viele Jahre Zeit und auch einiges Geld müssen investiert werden, um im Mutterland des Flintenschießens an der einhundert Jahre alten Erfahrung des großen englischen Verbandes teilhaben zu dürfen und den langen Weg zu den höchsten Weihen zu pilgern. CPSA-Trainer werden im Flintenschießen ausgebildet, aber vor allem im Ausbilden. 

Das Bessere ist der Feind des Guten

Schritt zu gehen, ist in der Regel effektiver. Die Reihenfolge der Schritte sollte stimmig sein. Wir beginnen die nächste Phase, die Individualisierung der ZOLI Milady. Deshalb trafen wir uns in den Räumen der Firma Waffen Klett in Borken, die das Anpassen des Schaftes sponsert, um mit dem Gelenkgewehr die Flintenmaße zu ermitteln. Dabei bewies Steffi Nerius unter der erfahrenen Anleitung von Werner Kappenhagen, dass ihre Anschlagtechnik trotz weniger, dafür aber gezielter Trainingseinheiten so gereift ist, dass ihre Daten in Rekordzeit auf dem Zettel standen. Das ist nur mit einem reproduzierbaren und sauberen Anschlag möglich.

Augen gut – alles gut

Nach dem Bestehen ihrer Jagdscheinprüfung im Oktober 2014 hat Steffi Nerius zum ersten Mal beim Start unseres Projektes am 16. April 2015 wieder eine Flinte in die Hand genommen. Seitdem hat sie ein Grundlagenseminar und drei Aufbaukurse auf der Gürather Höhe absolviert. Steffis Fortschritte sind erheblich und „fallen ins Auge“. In einer Gruppe fortgeschrittener Flintenschützen hält sie mit – die anderen Teilnehmer kommen nicht auf den Gedanken, dass Steffi mit dem Flintenschießen gerade erst angefangen haben könnte.

„Wer trifft, hat recht.“

Über Christian Schulte gibt es manches zu berichten, aber als ich ihn vor langer Zeit kennenlernte, haben mich vor allem zwei Dinge sehr beeindruckt. Ich weiß nicht mehr, wie viele Jahre es her ist, als ich zum ersten Mal an einem seiner Flintenseminare teilnahm. Er ließ uns auf eine am Boden liegende Wurfscheibe schießen, und er sprach von einem anderen als dem Pivot-Anschlag, nämlich dem parallel-synchronen! Wer damals im Rahmen der Jagdaus­bildung eine Prüfung mit der Flinte abgelegt hat, wusste, die Mündung hat vorne hoch zu sein und der Schaft hinten tief am Hüftknochen anzuliegen.

Eine Lanze für die gute Ausbildung

Man sieht es ihm sofort an: Hendrik Strothmann ist ein echter CPSA-Mann. Wer in England im Flintenschießen ausgebildet wurde, sich auf die Philosophie des großen englischen Wurfscheibenverbandes Clay Pigeon Shooting Association eingelassen hat, der strahlt das nun mal aus.

Vom Speer zur Milady

Wie kommt man als erfolgreiche Speerwerferin zum Flintenschießen? Steffis Freund ist Jäger. Da bleibt es nicht aus, dass man auch mal mit zum Ansitz geht. Der Funke ist schon früh übergesprungen. Beim Anblick eines Rudels Rotwild auf einer Drückjagd in der Eifel war es dann um Steffi geschehen.

Im Porträt: Dirk Otte

Sein Motto ist: „Ein erfolgreicher Schuss beginnt lange Zeit bevor der Abzug gezogen wird.“ Mit Dirk Otte, Büchsenmachermeister aus Lüchow, beginnt dieflinte die Porträtreihe deutscher Flintenlehrer. 

Steffi Nerius meets dieflinte

Steffi Nerius ist Leistungssportlerin. Ihre Erfolgsbilanz, nachzulesen auf ihrer offiziellen Homepage, ist lang und erstreckt sich über 18 eindrucksvolle Jahre: Mehrfache Olympiateilnehmerin, Silbermedaille in Athen 2004, Europameisterin in Göteborg 2006 und Weltmeisterin in Berlin 2009. Am 16. April 2015 trafen wir uns mit ihr, um ein gemeinsames Projekt auf den Weg zu bringen. 

Der Förderkreis Wurfscheibe ist eine Interessengemeinschaft, die den professionellen Wurfscheibensport in Deutschland fördert. Werner Diener kam kurz nach der Gründung mit dazu und ist seit Jahren ehrenamtlich für den Förderkreis tätig.