Clay Pigeon Shooting Association England

Vor fast einem Jahrhundert wurde im Mutterland des Flintenschießens die Clay Pigeon Shooting Association (CPSA) gegründet. Im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte bildeten sich Prinzipien und Grundsätze heraus, die zusammen eine Philosophie ergeben. Sie ist das Fundament, auf dem der Verband steht. 

Wenn der Schüler nicht trifft, ist es die Schuld des Trainers

In der Schießausbildung begegnet man manchmal einer zweifelhaften Methode, das Flintenschießen zu vermitteln. Sie besteht darin, dass der Ausbilder seinen Schüler „verächtlich“ macht. Der Ausbilder erhöht sich selbst und setzt seinen Schüler herab. Das soll Druck erzeugen. Gleichzeitig wird mangelndes Fachwissen des Lehrers kaschiert. Wenn der Schüler nicht trifft, liegt es einfach daran, dass der unfähig ist. Eine solche Verhaltensweise ist für einen CPSA-Trainer undenkbar.

Einer der zentralen Glaubensgrundsätze der CPSA besteht darin, dass es nur einen Verantwortlichen dafür geben kann, wenn der Schüler die Wurfscheibe nicht trifft, nämlich den Lehrer. Denn der ist dann offensichtlich unfähig gewesen, seinem Schüler den Stoff so zu vermitteln, dass er erfolgreich schießen kann. Dieser Ansatz ist das komplette Gegenteil des „verächtlich Machens“, weil er den Schüler erhöht und den Ausbilder herabsetzt.

CPSA-Trainer, die dieses Credo leben, schaffen im Training einen Zustand des Vertrauens. Sie ermuntern und ermutigen die Menschen, die sich ihnen anvertraut haben. Der Lehrer begibt sich auf Augenhöhe mit seinem Schüler. Ein CPSA-Ausbilder ist stets freundlich und geduldig. Er kann es sein, weil ihm ein fundiertes und in der Praxis erprobtes Wissen und Können zur Seite stehen. 

Der Trainer schießt niemals vor

Ein zweites, fundamentales Ausbildungsprinzip der CPSA besagt, dass niemals und unter keinen Umständen der Ausbilder vorschießt. Weil man weiß, dass solches Vorgehen im Regelfall zu keinem Erfolg führt. Es ist weniger der Grund, dass ein exzellent schießender Trainer seinen Schüler eher demotivieren als ermuntern würde. Nein, aber einem Schüler würde es in den seltensten Fällen gelingen, das Können seines Trainers zu kopieren. Die CPSA glaubt an eine einzige wirklich funktionierende Vorgehensweise. Sie besteht darin, dem Schüler die Elemente des Flintenschießens zu vermitteln und ihn auf einen Weg zu bringen, auf dem er das Erlernte umsetzen kann. Das setzt voraus, dass der Ausbilder ein guter Pädagoge und Beobachter ist, der selbst kleinste Abweichungen erkennt. Er muss fähig sein, komplexe Sachverhalte so einleuchtend zu erklären, dass ein Lernender sie unmittelbar umsetzen kann.

Ein guter Wettkampfschütze muss kein guter Coach sein

Sich auf Augenhöhe mit seinem Schüler begeben zu können, sich in dessen Lage zu versetzen, einfühlsam, geduldig und ein guter Beobachter zu sein, stellt spezielle Anforderungen an die Persönlichkeit des Ausbilders. Ein guter Wettkampfschütze kann ein guter Ausbilder sein oder werden, aber sein Erfolg als Wettkämpfer befähigt ihn dazu nicht. Ganz im Gegenteil: Ein erfolgreicher Sportschütze muss ganz andere persönliche Eigenschaften besitzen, um überhaupt zu großen Erfolgen kommen zu können. Von ihm wird verlangt, dass er sich sehr auf sich konzentrieren, dass er seine Umgebung und seine Mitmenschen im Wettkampf komplett ausblenden kann. Je egozentrischer ein Wettkampfschütze sich verhält, desto leichter wird ihm sein Erfolg als Schütze fallen. Daraus und aus Erfahrungen lässt sich konsequenterweise schließen, dass es nur eine geringe Korrelation zwischen dem Erfolg als Sportschütze und dem als Coach geben kann. Die typische Wettkampfsituation ist eine komplett andere als die, in der sich ein Ausbilder mit dem zu Trainierenden befindet. Hier der auf sich selbst Fokussierte, dort der auf den Schüler Konzentrierte.

Hier stellt sich der Wettkämpfer selbst in den Mittelpunkt, dort nimmt sich der Trainer zurück und rückt den Schüler in die Mitte seines Denkens und Handelns.

Nicht erzählen, was man alles weiß

Ein guter CPSA-Coach erklärt seinem Schüler nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit die komplette Theorie des Flintenschießens. Weder „erschlägt“ er seinen Schüler noch langweilt er ihn. Dosiert gibt er ihm in jeder Situation genau das an die Hand, was der Schüler zur Bewältigung der ihm gerade gestellten Aufgabe benötigt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Immer mit Freude und Erfolg trainieren

Ein CPSA-Schüler soll stets mit Freude und Erfolg trainiert werden. Es ist die Aufgabe des Ausbilders, hierfür zu sorgen und diesen Grundsatz niemals aus den Augen zu verlieren. Das funktioniert nur, wenn man von leicht zu schwer geht, und den nächst schwereren Schritt immer erst dann in Angriff nimmt, wenn das Level darunter beherrscht wird. Bleibt in der Ausbildungsskala einmal der Erfolg aus, kehrt ein CPSA-Trainer sofort zu dem Level darunter zurück, um den Schüler wieder an Bord zu holen. 

Man kann jeden innerhalb einer halben Stunde zum Treffen führen

Ein CPSA-Ausbilder beansprucht für sich, dass er (fast) jeden Menschen, der noch nie eine Flinte in der Hand gehalten hat, innerhalb von einer halben Stunde nicht nur mit dem ersten Schuss zu einem Treffer auf eine Skeet-Taube führen kann, sondern ihn diesen Treffer in der gleichen halben Stunde mehrfach wiederholen lassen kann. Grundlage dieses Anspruchs ist die Ausbildung, die der Instructor oder Coach durch die CPSA erfahren hat, und das Wissen, dass er dieses Können vor den Augen strenger Prüfer mehrfach beweisen musste. Sonst hätte er seine Zertifizierung durch den Verband nicht erhalten. 

Im Training wird nur eine Patrone geladen

Eine Doppelflinte mit zwei Patronen zu laden, kann zu dem Gedanken führen, dass man beim ersten Schuss nicht alles sofort richtig machen muss. Man hat ja noch einen zweiten. Ein CPSA-Ausbilder lädt die Flinte seines Schülers (außer bei Doubletten natürlich) stets nur mit einer Patrone. Nach dem (einen) Schuss bespricht man ihn. Im Falle eines Fehlers gibt es eine Anleitung zur Korrektur. Dann erst erhält der zu Trainierende die nächste Patrone, aber auch eine neue Wurfscheibe. Eine Flinte mit zwei Patronen zu laden, macht erst Sinn, wenn der Schütze im Falle eines Fehlschusses seine(n) Fehler sofort selbst erkennen kann und in der Lage ist, die Korrektur vorzunehmen, bevor er die zweite Patrone abfeuert.

Niemals ungefragt einen Rat geben

Ein CPSA-Ausbilder spricht niemals und unter keinen Umständen auf dem Schießstand von sich aus einen anderen Schützen ratgebend und belehrend an. Nur wenn er nach einem Rat und um Hilfe gefragt wird, gibt er die gerne, freundlich und rücksichtsvoll.

Fazit

Die Clay Pigeon Shooting Associaton ist „very british“. Sie ist professionell, gentlemanlike, fair. 
Dem Verband CPSA anzugehören, ist zuvorderst eine „Attitude“ – eine Geisteshaltung, eine Gesinnung, eine Einstellung.

  

Text und Fotos: Detlef Riechert